Heute war mal wieder Popcorn-Kino angesagt - ein alter Schulfreund, den ich seit gut zwei Jahren nicht mehr live getroffen habe, hat mich breitgeschlagen, mit ihm und seiner Freundin das neueste Werk von Wes Craven (Scream und Co.) Red Eye in Augenschein zu nehmen. Also habe ich mich breitschlagen lassen, den weiten Weg in die tiefste niederrheinische Provinz Krefeld auf mich zu nehmen
Um es kurz zu sagen, der Film ist ein Craven und auch wieder nicht, denn für Cravens Verhältnisse fließt erstaunlich wenig Blut. Insofern wurden meine Erwartungen deutlich übertroffen. Menschen mit Flugerfahrungen und diesbezüglichem technischem Knowhow werden allerdings bemängeln, dass die Außenansicht des Fliegers (eine Boing 737) und die Innenaufnahmen nicht zueinanderpassen (die 737 hat nur zwei Reihen a 3 Sitze und einen Mittelgang, im Film sind es aber zwei 2er- und eine 3er-Reihe sowie zwei Gänge) und diverse andere Kleinigkeiten bekritteln.
Dem Filmspass tut das indes nicht wirklich Abbruch; der sadistische Zyniker in mir genoss den Augenblick, als die Protagonistin dem Herrn Erpresser mit einem Kugelschreiber demonstrierte, was man allgemein als “Stechen im Hals” bezeichnet
Bemängeln muss ich in Hinblick auf den heutigen Kinogang hingegen einen offenbar momentan um sich greifenden Trend, dass die Filme anscheinend immer kürzer werden und die Werbung davor immer länger. Bekam man in der guten alten Deutschmark-Zeit für 14 Mark (was an sich schon teuer genug war) noch in der Regel mindestens 90, wenn nicht sogar 120 Minuten Filmvergnügen und maximal 15 Minuten Werbung serviert, sinds inzwischen in der Regel 30 Minuten Werbung und eher 75 Minuten Filmgenuss bei ca. 8 Euro.
Dies fiel mir letzte Woche schon bei “Transporter - The Mission” auf, greift aber offenbar um sich. Es sieht wohl so aus, dass sich herumgesprochen hat, dass Kinopreise wie so viele andere Luxus-Artikel preislichen Schmerzgrenzen unterliegen, und statt die Preise weiter anzuheben, werden die Filmzeiten nun kürzer und die Werbung länger - vom penetranten Product Placement mal ganz abgesehen.
In Zeiten, da praktisch jeder Kinofilm kurz nach seiner Erstveröffentlichung in brauchbarer Qualität in den einschlägigen Tauschbörsen auftaucht, haben gewisse Unternehmensbosse wohl immer noch nicht kapiert, dass sich solche Dinge herumsprechen und sich die Leute nicht auf Dauer verarschen lassen. Besonders pervers wird dies übrigens in dem Zusammenhang, dass der Werbeblock grundsätzlich mindestens einen Spot der berüchtigen “Raubkopierer sind Verbrecher - und kassieren bis zu fünf Jahre Knast”-Reihe der GVU enthält - unter dem Aspekt, dass man gerade pro Person 8 Euro an der Kasse gelassen hat, um für einen Film ehrlich zu zahlen, den man genausogut vollkommen kostenlos aus dem Internet saugen könnte, ein ziemlicher Affront.
Ich bin gespannt, wann hier endlich ein Umdenken erfolgt….
Beim Schreiben dieser Zeilen fällt mir gerade etwas auf, das ich als praktisch werbeimmuner Angstkunde der Marketing-Fuzzies überhaupt nicht bewußt wahrgenommen habe - der Werbeblock vorm Film enthielt heute - ganz anders als noch vor einer Woche beim Transporter - nicht einen einzigen Spot für Alkoholika oder Tabakwaren. Das wäre allerdings ein Trend, der gerne Schule machen darf!