Es ist geschafft, letzten Samstag habe ich mein neues Domizil im wunderschön ländlichen Essen-Gerschede offiziell bezogen. Nicht im Ruhrgebiet Ansässige (ich denke da beispielsweise an meinen allemannischen Freund Basti) können es üblicherweise schon nicht glauben, wenn man ihnen von den grünen Park- und Waldgebieten im Ruhrgebiet erzählt, bis sie es mit eigenen Augen sehen - aber daß es mitten im größten Ballungsgebiet dieser schönen Republik noch Stadtteile gibt, die regelrecht dörflichen Charakter haben, dürfte noch schwerer zu vermitteln sein
Basti, daß ich hier quasi direkt gegenüber, Luftlinie ca. 200m entfernt, sogar einen Bauernhof liegen habe, auf dem es Schafe, Ziegen, Esel und Gänse gibt, wirst du mir ohne es mit eigenen Augen zu sehen und mit eigener Nase zu riechen wahrscheinlich erst gar nicht abnehmen wollen
Doch zurück zum Thema. Also, vorgestern ging mein Umzug über die Bühne - beziehungsweise der letzte Akt desselben, wenn man es ganz genau nimmt, denn in den letzten vier Wochen habe ich eigentlich jedesmal, wenn ich irgendetwas in der neuen Wohnung gehandwerkt habe, zuvor den Kofferraum meines alten Japaners vollgeladen und auf diese Weise nach und nach schon sämtlichen Kleinkram rübergekarrt, der sich noch einigermaßen bequem und ohne Überladung des Wagens transportieren ließ. Das hatte den Vorteil, daß meine Freunde und ich am Wochenende wirklich nur noch sperrige Großmöbel schleppen mussten, die nun wirklich nicht in kleinere Fahrzeuge als Kleintransporter der Sprinter-Klasse zu packen gewesen wären.
Pünktlich erschien mein halbes Dutzend Hilfskräfte zwischen 0815 und 0840, und kurz nach 0900 hatten wir schon die erste Ladung komplett verpackt - wohlgemerkt mit den schlimmsten Möbeln, die wir überhaupt zu transportieren hatten, in erster Linie also drei recht sperrigen Couchteilen. Das muss wohl daran gelegen haben, daß alle Beteiligten über ein ausgeprägt gutes räumliches Denkvermögen verfügten, was gegenseitige Anweisungen wie “und nun das Ganze kurz um die Querachse kippen und dann hochkant durch die Tür” leicht verständlich gestaltete.
Insbesondere ein zwei Meter breites Couchsegment hatte mir sehr große Sorgen gemacht, da es in der neuen Wohnung rechnerisch mit nur 6cm Spielraum zwischen Boden und Decke und wegen der besonderen Enge der kleinen Diele nur fast hochkant durch die Wohnungstür zu schaffen war. Irgendwie ist es uns aber gelungen, das Ding in quasi unmöglicher Art und Weise zu drehen/verwinden, daß wir am Zielort angekommen praktisch keinerlei Probleme mit dem Hereintragen hatten.
Fuhre Nummer Zwei, gleichzeitig auch die letzte Ladung, hatten wir dann schon mittags wieder ausgeladen. Damit war dies der schnellste und reibungsloseste Umzug, den ich in meinem sozialen Umfeld je mitgemacht habe, und meinen Freunden erging das zum größten Teil genauso. Obendrein haben wir es geschafft, weder in der alten noch der neuen Wohnung Macken in Decken, Türen oder Wände zu schlagen, es ist kein Möbel beschädigt worden (und dabei geht doch eigentlich IMMER irgend etwas zu Bruch), und so ist der absolut einzige Verlust den ich zu beklagen habe ein kleiner Pinnüppel eines meiner Billyregale.
An dieser Stelle daher nochmal mein allerherzlichster Dank an alle Freunde, Bekannte und Kollegen, die mit angepackt haben und diesen Umzug in dieser Form erst möglich machten.
Aus der Erfahrung der letzten Wochen heraus kann ich daher nun mit einigen Tipps aufwarten, die sicher auch anderen dabei helfen, ebenso positive Erfahrungen mit dem Umziehen zu machen.
- Sobald ihr die Kündigung eurer alten Wohnung auf den Weg gebracht habt und auf den Rückschein und die Kündigungsbestätigung durch den Vermieter wartet, fangt an eure Keller und ggf. vorhandene Dachböden radikal zu entrümpeln. Die weitaus meisten Menschen machen den extremen Fehler, sich zu allerletzt um diese Räumlichkeiten zu kümmern. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, daß gerade hier, wo sich doch in der Regel das meiste entsorgbare Zeuch anstaut, der Zeitdruck gegen Ende der Kündigungsfrist zuschlägt, man deshalb nicht richtig entrümpelt und bergeweise Schrott in die neuen Kellerräume mitschleppt. Ich habe hingegen erst meine Keller entrümpelt und radikal sämtliche Zeitschriften, die ich jahrelang gehortet und doch nie wieder gelesen habe, dem Recycling überantwortet. Das hat den Vorteil, daß ich nun keine Altlasten mehr rüberkarren musste, die Industrie freute sich über jede Menge wertvoller Rohstoffe, und ich habe nun volle Zeit und Konzentration für meine neue Wohnung statt mich noch um alten Kram der alten Bude kümmern zu müssen.
- Kurz nach der Kündigungsbestätigung solltet ihr bei eurem TK-Anbieter den Telefon- und Internetanschluss ummelden und dabei einen Wunschtermin ca. 6 -7 Wochen ab Tagesdatum der Ummeldung anvisieren. Dann besteht eine realistische Chance, daß das auch tatsächlich so gut klappt wie in meinem Fall.
- Machts wie ich und nutzt jede Gelegenheit, schonmal Kleinzeug in die neue Wohnung mitzunehmen, sobald ihr die Butze vom neuen Vermieter übernommen habt und zwecks Renovierung und dergleichen schon in die Räume reinkönnt. Das spart enorm Zeit und Nerven am eigentlichen Umzugstag, und vor allen Dingen geht ihr euren Helfern dann nicht mit noch pickepackevollen Regalen und Schränken auf den Sack, die erst noch leergemacht werden müssen. Ganz nebenbei behaltet ihr so die volle Kontrolle darüber, was in welcher Kiste landet (beschriften!!!!), statt daß am Ende alles hopplahopp gehen muss und dann kein Schwein mehr weiß was worin gelandet ist.
- Nutzt auch diese Gelegenheit des sukzessiven Ausräumens der Schränke, radikal auszumisten. Solltet ihr noch ungeöffnete Kisten vom vorigen Umzug finden, werft diese erbarmungslos weg. Ihr habt den Inhalt in den letzten Jahren offensichtlich eh nicht vermisst, also weg damit.
- Wenn ihr die neue Wohnung erst noch selbst renovieren müßt (ich hatte ja Glück und musste mich nur noch um den Bodenbelag in drei Räumen kümmern), macht einen Raum nach dem anderen. Also konket: macht den ersten Raum komplett fertig, dann erst geht den zweiten an und so weiter. Hat nämlich den Vorteil, die schon fertigen Räume als Lager nutzen zu können. Wenn ihr außerdem so schlau seid und weniger wichtige Räume wie Arbeits- oder Lesezimmer zuerst anzugehen, stresst ihr euch auch später mit dem Auspacken von Kisten und Aufbauen von Schränken und Regalen nicht.
- Meldet euch wo immer es möglich ist, etwa eine Woche vor dem tatsächlichen Umzug online um. Insbesondere die meisten Banken und Versicherungen bieten dazu schon lange Onlineformulare an. Das spart euch jede Menge Porto und die Finanzfuzzis haben weniger Arbeit mit dem Einpflegen bzw. Plausiprüfen der neuen Anschrift. In einigen Städten kann man sich sogar inzwischen bei der Stadt selbst online ummelden.
- Kümmert euch frühzeitig um eure Helfer. Verlasst euch dabei nicht auf Familienangehörige, insbesondere nicht wenn diese im Schichtdienst arbeiten. Diese Erfahrung musste ich dieses Mal machen, daß außer dem Freund meiner Schwester genau am Umzugstag kein Familienmitglied verfügbar war - jedenfalls nicht vor dem späten Nachmittag, wenn schon längst alles gelaufen ist. Erinnert eure Freunde, die ihr als Helfer gewinnen konntet, rechtzeitig an den Umzugstermin, damit nicht doch noch ungeplant etwas dazwischen kommt. Je nach Größe der Wohnung und Menge der noch zu transportierenden Großmöbel sollten sechs bis zehn Helfer ausreichen. Wenn es möglich ist, immer eine gerade Anzahl Helfer organisieren, und optimal ist es, wenn immer ein paar Leute an alter und neuer Wohnung bleiben, denn dann können die einen schon neues Zeug aus der Wohnung raustragen, während die übrigen gerade zur neuen Wohnung fahren oder dort schon mit dem Aufbau der letzten Ladung beschäftigt sind. Das verkürzt den gesamten Zeitraum enorm, wenn man das Potenzial nutzen kann.
- Sorgt für ausreichend Getränke und Handtücher in alter und neuer Wohnung für alle Helfer. Seht zu, daß ihr für Verpflegung sorgt oder ein Pizzataxi in Reichweite habt. Das hebt Stimmung und Motivation im TEAM enorm.
- Last but not least: nie die Geduld verlieren und vor allen Dingen nicht planlos ans Möbelschleppen gehen. Die wahrscheinlich schwierigsten Möbel müssen als erstes in den Laster rein, damit sie als letztes ausgepackt werden müssen. Dann hält man sich nicht unnötig lange auf, denn das einfache Zeug ist schneller reingetragen und hebt die Motivation, die schwierigen Möbel anzugehen.
Eigentlich sollte man meinen, daß vieles davon Binsenweisheiten sind. Dennoch befolgen offenbar die wenigsten Leute diese einfachen Grundregeln, was immer wieder zu viel Frust und Heulerei insbesondere der weiblichen Haushaltsteilnehmer führt. Und das muss doch nicht sein, oder könnt ihr flennende Frauen etwa gut ertragen?
