Vom beliebten Mailclient Mozilla Thunderbird ist endlich der erste Release Candidate der neuen Version 1.5 veröffentlicht worden.
Passend zu einem grauen Novembertag bin ich über die heutige heise newsticker-Meldung gestolpert, was unsere hoffnungsfrohe schwarz-rote Regierung im Bereich der Innenpolitik so vorhat.
Als wären die News vom 31.10. nicht schon erbaulich genug gewesen, hat man sich offenbar heute dazu hinreißen lassen, gewisse Pläne zu konkretisieren:
- dem “Anspruch” auf “Schutz vor Kriminalität” haben sich andere verfassungsrechtlich garantierte Freiheitsrechte unterzuordnen
- eine Antiterrordatei mit dem Zweck, Polizei und Nachrichtendiensten einen gemeinschaftlichen Informationsaustausch zu ermöglichen, ist einzurichten (BTW, nannte sich eine Institution mit ähnlich umfassender “Legitimation” vor rund 60 bis 70 Jahren nicht GeStaPo??)
- Jegliche Ausweisdokumente sind durch biometrische Merkmale aufzupimpen (dies umfasst unter anderem Pässe, Personalausweise, Visa und Aufenthaltstitel)
- die “politische Bildung ist zu verbessern” (das hängt zwar nur indirekt mit der Innenpolitik zusammen und zielt Heise zufolge auf Elemente der direkten Demokratie ab, jedoch fiel mir spontan das Schlagwort “Umerziehungslager” ein, als ich diesen Absatz gelesen habe)
- Gleichzeitig soll e-Government weiter forciert werden, möglichst viel über zentrale IT-Infrastrukturen und Datenbanken abgedeckt werden, und blablabla…. - auf gut deutsch, letzten Endes wirds für Hacker in Zukunft noch einfacher an alle wesentlichen Daten über eine Person zu gelangen; der Weg, wie die
GroßkotzeAmis über die Sozialversicherungsnummer praktisch das gesamte Leben einer Person in der Hand zu halten ist damit dann auch nicht mehr weit
Alles in allem kann man dazu, insbesondere unter Berücksichtigung der heraufziehenden totalen Überwachung, nur noch sagen, “wo bitte gehts nach 1984?”
Heute abend im Programm: Herzhaft ablachen bei Bildblog - die Blödzeitung mag es nicht, wenn andere auf den Lorbeeren ihres “guten” Rufs “vergleichende Werbung” machen.
Selten so gelacht - genau meine Baustelle.
Ach ja, wer mitlachen möchte, sollte sich den Kinospot natürlich nicht entgehen lassen
Und so stirbt die Demokratie - mit tosendem Applaus
(frei nach Senatorin Amidala, Star Wars Episode 3)
…. oder wer will die faktische Außerkraftsetzung freiheitlich-demokratischer Grundrechte als etwas anderes bezeichnen als den Beginn vom Ende der Demokratie?
Neulich, im SHW-Forum, stolperte ich über die Nachfrage nach einem für Bewerbungsfotos ausreichend hochwertigen Scanner. Nachdem sich mein automatisch ausgelöster Lachanfall wieder einigermaßen beruhigt hatte und mein Sichtfeld wieder ausreichend klar für das Zu-Ende-Lesen der schon vorhandenen Antworten war, mußte ich feststellen, dass sich bis dahin niemand bemüßigt gefühlt hatte, dem Thread-Ersteller die Flausen aus dem Kopf zu prügeln, sondern tatsächlich munter Kauftipps für Scanner erteilt wurden.
Meine in der weiteren Folge des Threads vorgelegten Hinweise stießen indes (mit Ausnahme einiger klar denkfähiger anderer Forenteilnehmer) auf taube Ohren, und daher fasse ich hier nochmals kurz zusammen, was von eingescannten Bewerbungsfotos zu halten ist: nichts.
Warum das Ganze?
Ziemlich effe und simpel - auf was für einem Drucker werden die meisten Leute ihre Bewerbungen ausdrucken? Auf einem Tintenpisser, genau. Und zwar auf 80g-Papier, damit es sich beim Druck in höchster Qualität auch auf jeden Fall wellt wie nach ner Woche Dauerregen und 200 Prozent Luftfeuchtigkeit
Gehen wir die Sinnhaftigkeit mal vom anderen Ende her an: brauchbare bis gute Bewerbungsfotos in ca. doppelter Passbild-Größe kostet ca. 16 EUR je acht Fotos inkl. Diskette/CDROM mit dem Bildmaterial in digitaler Form (wozu da noch scannen???). Ein auch nur den geringsten Ansprüchen an Farbtreue, Weißabgleich, Rauschabstand etc. gerecht werdender Scanner ist imho unter 200 EUR nicht zu haben - und das ist sicherlich noch tief gestapelt, werden mir die Grafikprofis sicherlich sagen.
Im Ernst, wieso geht man da nicht für das Geld lieber zum Fotoprofi, der sein Handwerk versteht und läßt sich da die Superduper-über-Ich-fall-um-Bewerbungsfotos anfertigen?
Wer bei der Bewerbung am falschen Ende spart, kann sich den Versand der Unterlagen auch gleich schenken - und wenn man zum Ausdruck nicht gerade einen sündteuren Thermotransferdrucker verwendet, SIEHT man einfach, dass am falschen Ende gespart wurde!
Fragt man Personaler, aus welchen Gründen sie Bewerber ablehnen, kommt schnell heraus, dass von zehn abgelehnten Bewerbern im Schnitt bis zu 9 (neun!! - also 90 Prozent!!) allein deshalb abgelehnt werden, weil schon die eingereichten Bewerbungsunterlagen von nachlässig über schlampig bis hin zu unter aller Sau sind! Wer also angesichts 5 Millionen Arbeitsloser (von denen imho ca. 25 Prozent nicht in die Statistik gehören, aber das ist eine andere Baustelle), zehntausender Jugendlicher ohne Ausbildungsplatz und wachsenden Zahlen von Studienabbrechern (die sich das Studium schlichtweg nicht mehr leisten können) immer noch der Meinung ist, die Personalabteilungen würden nur auf sie/ihn warten und es wäre somit keine extreme Sorgfalt bei der Anfertigung der Bewerbung vonnöten, der muss sich von mir den Vorwurf gefallen lassen, hinter einem ausgeprägten und sehr stabilen Realitätsverzerrungsfeld zu leben.
Wie macht mans nun also richtig?
Aus Büchern lernt man das jedenfalls eher nicht, denn die sind einzig und allein zu dem Zweck geschrieben, dem Autor und seinem Verlag Geld in die Kasse zu spülen. Perfekt wäre es daher, direkt einen Personaler im Freundes- oder Bekanntenkreis zu haben, den man fragen kann, wie eine moderne und erfolgreiche Bewerbung auszusehen hat - denn die wissens am besten, was sie sehen wollen und was nicht.
Wenn gerade kein Personaler zur Hand ist, tun es auch die Unterlagen von Freunden, die auf zehn Bewerbungen acht Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten haben, denn die haben mit ihren Unterlagen ziemlich offensichtlich im Trend gelegen.
Fehlts auch hieran, kristallisiert sich - muss man leider so sagen - heraus, dass man sich offenbar in den falschen Kreisen herumtreibt
Eine gute Informationsquelle - ich habe diese intensiv genutzt, wenngleich ich zugeben muss, dass das durchaus als dreist gesehen werden kann - sind die Personaler, bei denen man zum Vorstellungsgespräch geladen wird. Bei meinen damaligen Bewerbungen für die für den Erfolg meiner Ausbildung zum Fachinformatiker notwendige Praktikumstelle habe ich bei allen Vorstellungsgesprächen die Gelegenheit genutzt, nach dem offiziellen Teil, wenn man zum Smalltalk übergeht, bei den Damen und Herren freundlich anzufragen, ob und wenn ja wo sie bei den ihnen vorliegenden Bewerbungsunterlagen noch Verbesserungsbedarf sehen.
Das hat gleich drei Vorteile: erstens bekommt man in der Regel offene Antworten, die einem weiterhelfen, zweitens fühlt sich der Personaler gebauchpinselt, weil man seine Kompetenz anspricht und zu schätzen weiss, und drittens trägt man so indirekt zu einer Verbesserung seiner Chancen bei, die Stelle tatsächlich zu kriegen - alles in allem also besser als ein Überraschungsei
Selbstverständlich sollte man mit diesen Fragen nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern das Thema subtil in diese Richtung lenken. Für mich persönlich war beispielsweise überraschend, dass der Lebenslauf für viele deutlich interessanter ist als die Zeugnisse und dass man Referenzen (wie etwa Zeitungsartikel über selbstgeschriebene Software) besser hinter den Lebenslauf einordnet statt hinter die Zeugnisse.
Sonstige Hinweise
Ansonsten zu beachten: man sollte gutes Papier verwenden, keine Schnellhefter oder billige Klemmhefter, sondern lieber die zwei bis drei Euro in eine richtige Bewerbunsmappe aus Hartkarton investieren, falls das Geld gar zu knapp ist, sich die Bewerbungen vom Arbeitsamt bezuschussen lassen und sich davon trennen, das Bewerbungsfoto auf den Lebenslauf zu kleben, sondern ein Deckblatt einführen, welches neben dem Slogan “Bewerbung um Stelle XY” (richtige Stellenbezeichung einfügen!!) Name und Anschrift sowie das bewußte Foto enthält.
Je nach Personaler (es kommt auf die Branche und die Unternehmensgröße an) sind sogenannte Kurzprofile inzwischen recht gut angesehen, die ergänzend zum Lebenslauf den beruflichen Werdegang mit den Motivationen verknüpfen, sich an bestimmten Schnittstellen des Lebens für bestimmte Wege entschieden zu haben. Auch eine Vorstellung der besonderen Fähigkeiten, Fremdsprachenkenntnisse, Auslandserfahrungen etc. gehört hierzu.
Der Weg zur erfolgreichen Bewerbung führt also nicht über ein billig eingescanntes und auf nem schäbigen Tintenpisser ausgedrucktes Passfoto aus dem Bahnhofsautomaten, sondern kostet richtig Zeit und Geld - gerade letzteres sollte es einem jedoch wert sein, denn man sollte nie vergessen, die Kosten von vielleicht acht Euro pro Top-Bewerbung in Relation zu einem Job zu stellen, der evtl. für die nächsten 35 Jahre das Einkommen sichern soll. Wem sich diese Relation nicht erschließt, kann sich und dem Personaler den Aufwand der Bewerbung direkt sparen.
Zum Schluss noch eine Anekdote aus eigener Erfahrung: zum Versand meiner Bewerbungsunterlagen habe ich damals übergroße gefütterte Briefumschläge verwendet, um eine Beschädigung auf dem Transport unter allen Umständen zu vermeiden. Bei einem der von mir angeschriebenen Unternehmen war eigentlich die Bewerbungsfrist schon abgelaufen, als meine Sachen dort eintrafen (davon wusste ich allerdings nichts). Der Personalchef erwartete jedoch just an dem Tag eine Sendung von einer eGay-Ersteigerung und freute sich riesig, als mein Monsterumschlag auf seinem Tisch landete. Als er diesen dann öffnete, “war da nur ne Bewerbung drin”, wie er mir später erzählte. “Da ich die nun aber eh schon in der Hand hatte, habe ich halt auch mal reingesehen” - und Aufmachung und der durchaus kecke Inhalt des Anschreibens führten dazu, dass ich doch noch zum Gespräch eingeladen wurde
Da die Frage nach meiner persönlichen Erfolgsquote eh unvermeidlich kommt: für bewußtes Praktikum hatte ich damals sechs schriftliche und eine Emailbewerbung an sorgfältig ausgewählte Unternehmen versendet. Dies führte zu fünf Einladungen, einer Absage und einmal “nie wieder was von gehört”. Von den Einladungen habe ich drei wahrgenommen und daraufhin zwei Stellenangebote erhalten. Alles in allem nenne ich das mal keine schlechte Quote. Zugegeben, ein Praktikum ist etwas ganz anderes als eine Bewerbung auf eine Festanstellung, jedoch bin ich von dem Betrieb, für den ich mich fürs Praktikum entschieden hatte, nach Abschluss der Maßnahme unbefristet übernommen worden, und so gesehen habe ich ja offenbar mit meinen Bewerbungen nicht viel falsch gemacht
