Bedeutungsschwer, 24.07.2009

…. habe ich dies und das geradegezogen, weil es noch nicht wirklich rund lief….

Diese und ähnliche Formulierungen trifft man heuer immer regelmäßiger an (auch ich ertappe mich immer wieder mal bei ihrer Verwendung), und offensichtlich machen sich die allerwenigsten Menschen dabei Gedanken darüber, daß sie dabei quasi eine verbale Quadratur des Kreises versuchen.

Läßt man’s sich jedoch einmal auf der Zunge zergehen, stellt sich sehr schnell ein pelziger Beigeschmack ein ;)

Leben an sich,

Da meldet N-TV heute die hübsche Geschichte vom französischen Grabräuber, den es sozusagen in flagranti erwischt hat, indem ihn ein Herzklabaster aus dem Genpool streicht - und unwillkürlich geht mir unmittelbar beim Lesen der Meldung durch den Kopf “was den Mann wohl mitten auf einem Friedhof zu nachtschlafender Stunde so erschreckt haben mag” :D

Bin ich zu zynisch? ;)

Operating Systems, 27.05.2009

Seit gestern steht Service Pack 2 für Windows Vista und Windows 2008 Server zur Verfügung, und wie manch anderer Early Adopter bin ich natürlich prompt zur Tat geschritten und mutig in dessen Installation geprescht. Die ersten Schritte des Updates verlaufen problemlos, zu Beginn von Schritt 3 dann auf einmal etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe - ein BSOD!

Reboot, neuer Versuch, das gleiche Spiel - verantwortlich für den Komplettcrash zeichnet ein Treiber namens eamon.sys. Boot im Safe Mode, Rollback des SP2, Recherche im großen Orakel, was es mit eamon.sys auf sich hat - und schnell die Ursache gefunden. Denn dieser Treiber ist essentieller Bestandteil der Antiviruslösung ESET NOD32, die ich zufälligerweise ebenfalls betreibe.

Erste Meldungen über diese BSODs während der Installation des Service Pack 2 finden sich - unter anderem übrigens in diversen offiziellen Supportforen, in denen auch ESET-Mitarbeiter regelmäßig schreiben - schon seit Anfang Mai, als Microsoft das SP2 für MSDN- und TechNet-Abonnenten freigegeben hat. Reaktion seitens ESET: praktisch vollkommenes Ignorieren des Problems; erst durch vielfachen Protest in den Foren und die gestrige Freigabe des SP2 für die breite Öffentlichkeit sah sich nun ein ESET-Moderator zu einer kurzen Stellungnahme gezwungen, die effektiv aber auch nur das bestätigt, was alle Leser des Forums eh schon wussten.

Kurz die Fakten:

  • Ist ESET NOD32 v4.x schon installiert, bevor man das SP2 einspielt, scheitert die Installation mit regelmäßigen Bluescreens.
  • Deinstalliert man ESET vorher, läßt sich Service Pack 2 problemlos installieren.
  • Installiert man anschließend ESET NOD32 4.0.424 oder 4.0.437, scheint zunächst alles einwandfrei zu laufen.
  • Nach einigen Reboots kommt es wieder zu sporadischen BSODs, oder beim Booten kommt NOD32 nicht sauber hoch (rotes Statusicon in der Taskbar) und kann keine Signaturupdates mehr herunterladen.
  • Das Problem besteht offenbar nicht nur mit der Vista x64-Variante, sondern auch mit den 32-Bit-Versionen von Windows Vista und Windows 2008 Server.

Derzeitige “Lösung”: NOD32 komplett quitt werden oder auf eine ältere Version 3.x umsteigen.

Das Fatale an der Sache: auf der Microsoft’schen Liste inkompatibler Anwendungen findet sich etwa auch der Antivirus von Avira, von ESET gibt es dort bislang keine Spur. Da NOD32 sich aber auch einer weiteren Verbreitung erfreut, dürften nun reihenweise auch sehr viel unbedarftere Anwender in diese Falle laufen, insbesondere sobald das Service Pack 2 auch über Windows Update automatisch zur Verfügung gestellt wird (was offiziell zwar erst in den nächsten Wochen passieren soll, mir und anderen usern aber schon gestern abend als verfügbares wichtiges Update angezeigt wurde).

ESET, shame on you, dieses Problem so lange so hartnäckig ignoriert zu haben und auf das viele Feedback eurer Kunden nicht reagiert zu haben!

Update 07.06.2009
Wie dem weiteren Verlauf des Threads, in dem das weiter oben verlinkte Posting zu finden ist, zu entnehmen ist, wird seit ein paar Tagen über das automatische Update der Signaturen auch gleichzeitig ein Fix für das inzwischen weitläufig bekannte Problem verteilt. Sofern man also einen “lichten Moment” von NOD32 erwischt (lies: bei einem Bootversuch das Statusicon ausnahmsweise mal auf grün wechselt), sollte man schleunigst manuell ein Update anwerfen, um in den Genuss des Hotfixes zu gelangen. Etwas irritierend finde ich, dass ESET keinen neuen Download mit neuer Versionsnummer zur Verfügung stellt, in dem sich der Hotfix schon automatisch befindet. So dauerte es in meinem konkreten Fall rund ein Dutzend Bootversuche, bis ich “grünes Licht” bekam und den Hotfix herunterladen konnte. Seitdem läuft NOD32 zwar wieder stabil, sonderlich kundenfreundlich finde ich den Ansatz dennoch nicht.

Politik, 04.04.2009

Als ich in den Nachrichten von den Krawallen in Straßbourg anläßlich des NATO-Gipfels gehört habe, stellte sich mir unmittelbar die Frage, wie hirnrissig, ja regelrecht bescheuert man doch sein muss, mit Gewalt und Zerstörung gegen ein militärisches Bündnis “protestieren” zu wollen.

Allgemeines, 04.03.2009

Wie heißt es so schön?

Es gibt Tage, da verliert man, und an den anderen gewinnen die anderen…

So einen Tag habe ich heute offenbar erwischt. Denn der gute Herr Murphy, dem man ja auch sonst allerhand nachsagt, muss heute offenbar reichlich seine Finger bei der Deutschen Bahn im Spiel gehabt haben (zumindest hoffe ich das für die Bahn).

Eigentlich war die Aufgabe ganz einfach - steige in Dortmund in den ICE nach Düsseldorf, steige dort um in den Anschluss-ICE nach München, verlasse diesen Zug um 17 Uhr in Nürnberg, um dort eine Regionalbahn ins lauschige Ochenbruck zu besteigen; überwinde die letzten anderthalb Kilometer ans Ziel dann idealerweise mit einem vor Ort wartenden Taxi, checke im Hotel ein und lass den lieben Gott (oder was auch sonst immer der werte Leser bevorzugen mag) einen guten Mann sein.

Der olle Herr Murphy (oder die Bahn, man mag es sich aussuchen) fand dies offenbar zu wenig anspruchsvoll, also musste der Schwierigkeitsgrad wohl gesteigert werden. Zwar waren der ICE in Dortmund und in Düsseldorf jeweils noch pünktlich, ab D’dorf muss der alte Mann in seinem Grab (oder der Herr Mehdorn, man weiss es ja nicht genau) aber mitbekommen haben, dass da eine Zugverbindung drohte zur vollen Zufriedenheit ihrer Fahrgäste quer durch die Republik zu rollen - also schnippte er kurz mit dem Finger, um eine Lawine von einander verfolgenden Problemchen ins Rollen zu bringen.

Zunächst gab es zwischen Köln und Frankfurt ein Problem mit einer Signalanlage, was uns einige Minuten Wartezeit in Montabaur einbrachte. Das Warten bekam dann dem Zug wohl nicht, jedenfalls hieß es anschließend, in Frankfurt müßten alle Fahrgäste raus, um am gegenüberliegenden Gleis in einen Ersatzzug umzusteigen - damit war dann auch meine Platzreservierung in Herrn Murphys Allerwertestem angelangt, von weiterer Verspätung mal abgesehen.

Später verfielen dann einige Personen auf die famose Idee, das Gleiswerk als Fußweg zweckzuentfremden. Da man sich wohl außerstande sah, das Hindernis einfach plattzurollen oder durch den grünuniformierten Staatsapparat beseitigen zu lassen, wurde “mein” Zug kurzerhand über die sogenannte “alte” Strecke Richtung Würzburg umgeleitet, was weitere Zeit kostete. Wiederum einige Zeit später erging die Durchsage, ein eventuell an Bord befindlicher Arzt oder Sanitäter möge zwecks Ersthilfe in Wagen 26 eilen (die mich umgebenden Fahrgäste mutmaßten, dass ein anderer Fahrgast ob des Ärgers über die sich summierenden Verspätungen einen Herzanfall erlitten hatte). Der nächste erreichbare Minibahnhof erfreute sich anschließend der zweifelhaften Prominenz, zwecks umfassender Rettungsmaßnahmen an jenem Fahrgast außerplanmäßige Zwischenstation für ICEs zu werden. - Fürs Protokoll: der Mann, der sich ausgerechnet meinen Zug zum Sterben ausgesucht hatte, konnte da sicher nichts für, insofern bin ich ihm auch nicht gram. Der Gast hätte es sicher ebenfalls bevorzugt, gesund und munter sein Reiseziel zu erreichen.

Durch die erreichte summierte Verspätung von knapp 25 Minuten hatte dann auch mein an sich großzügiger Puffer in Nürnberg keine Chance mehr, mir das Erreichen der Regionalbahn zu ermöglichen, also hatte ich dann die Gelegenheit, den Service für Corporate-Kunden im Kundencenter zu testen (da Ochenbruck nämlich auf den Fahrplänen nirgends ausgeschildert war, konnte ich anders nicht ermitteln, welche spätere Verbindung sich angeboten hätte).

Und zum krönenden Abschluss, schließlich in Ochenbruck angelangt, natürlich weit und breit kein Taxi aufzufinden, also standen mir schlussendlich noch anderthalb Kilometer Fußmarsch mit Gepäck ins Haus.

Ihr seht, Murphy hatte alle Hände voll zu tun und sicherlich einen Riesenspass dabei. Die Alternative, dass diese Sorte Chaos bei der Bahn Alltag ist, gefällt mir jedenfalls wesentlich weniger (und ich habe die Befürchtung, genau das ist der Fall). Mit solchen Katastrophen sollte die Bahn jedenfalls dringend von ihren Ambitionen eines Börsengangs Abstand nehmen. Jedes echte privatwirtschaftliche Unternehmen, das sich ein solches Tohuwabohu leistet, ist jedenfalls ruckzuck weg vom Fenster. Gut, auf der anderen Seite können sich Firmen wie die amerikanische AIG sogar Jahresverluste von über 100 Mrd USD leisten - das is jedoch eine Finanzklitsche.

Zugegeben, das Personal an Bord (irgendwie habe ich heute ausschließlich Schaffnerinnen gesehen) war stets freundlich und hilfsbereit, und bei jeder neuen Hiobsbotschaft kam wieder eine der Damen mit einem Korb Süßigkeiten durch den Wagen marschiert, und auch die Dame am Schalter in Nürnberg hat mir unverzüglich geholfen. Wenn ich mich jedoch in einige meiner Mitfahrgäste versetze, die zumindest ihren Anzügen nach zu urteilen vorgaben sehr wichtige Menschen zu sein, dann entschädigen auch leckere Ferrero Roché nicht dafür, einen wichtigen Geschäftstermin zu verpassen.

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