Allgemeines, 04.03.2009

Wie heißt es so schön?

Es gibt Tage, da verliert man, und an den anderen gewinnen die anderen…

So einen Tag habe ich heute offenbar erwischt. Denn der gute Herr Murphy, dem man ja auch sonst allerhand nachsagt, muss heute offenbar reichlich seine Finger bei der Deutschen Bahn im Spiel gehabt haben (zumindest hoffe ich das für die Bahn).

Eigentlich war die Aufgabe ganz einfach - steige in Dortmund in den ICE nach Düsseldorf, steige dort um in den Anschluss-ICE nach München, verlasse diesen Zug um 17 Uhr in Nürnberg, um dort eine Regionalbahn ins lauschige Ochenbruck zu besteigen; überwinde die letzten anderthalb Kilometer ans Ziel dann idealerweise mit einem vor Ort wartenden Taxi, checke im Hotel ein und lass den lieben Gott (oder was auch sonst immer der werte Leser bevorzugen mag) einen guten Mann sein.

Der olle Herr Murphy (oder die Bahn, man mag es sich aussuchen) fand dies offenbar zu wenig anspruchsvoll, also musste der Schwierigkeitsgrad wohl gesteigert werden. Zwar waren der ICE in Dortmund und in Düsseldorf jeweils noch pünktlich, ab D’dorf muss der alte Mann in seinem Grab (oder der Herr Mehdorn, man weiss es ja nicht genau) aber mitbekommen haben, dass da eine Zugverbindung drohte zur vollen Zufriedenheit ihrer Fahrgäste quer durch die Republik zu rollen - also schnippte er kurz mit dem Finger, um eine Lawine von einander verfolgenden Problemchen ins Rollen zu bringen.

Zunächst gab es zwischen Köln und Frankfurt ein Problem mit einer Signalanlage, was uns einige Minuten Wartezeit in Montabaur einbrachte. Das Warten bekam dann dem Zug wohl nicht, jedenfalls hieß es anschließend, in Frankfurt müßten alle Fahrgäste raus, um am gegenüberliegenden Gleis in einen Ersatzzug umzusteigen - damit war dann auch meine Platzreservierung in Herrn Murphys Allerwertestem angelangt, von weiterer Verspätung mal abgesehen.

Später verfielen dann einige Personen auf die famose Idee, das Gleiswerk als Fußweg zweckzuentfremden. Da man sich wohl außerstande sah, das Hindernis einfach plattzurollen oder durch den grünuniformierten Staatsapparat beseitigen zu lassen, wurde “mein” Zug kurzerhand über die sogenannte “alte” Strecke Richtung Würzburg umgeleitet, was weitere Zeit kostete. Wiederum einige Zeit später erging die Durchsage, ein eventuell an Bord befindlicher Arzt oder Sanitäter möge zwecks Ersthilfe in Wagen 26 eilen (die mich umgebenden Fahrgäste mutmaßten, dass ein anderer Fahrgast ob des Ärgers über die sich summierenden Verspätungen einen Herzanfall erlitten hatte). Der nächste erreichbare Minibahnhof erfreute sich anschließend der zweifelhaften Prominenz, zwecks umfassender Rettungsmaßnahmen an jenem Fahrgast außerplanmäßige Zwischenstation für ICEs zu werden. - Fürs Protokoll: der Mann, der sich ausgerechnet meinen Zug zum Sterben ausgesucht hatte, konnte da sicher nichts für, insofern bin ich ihm auch nicht gram. Der Gast hätte es sicher ebenfalls bevorzugt, gesund und munter sein Reiseziel zu erreichen.

Durch die erreichte summierte Verspätung von knapp 25 Minuten hatte dann auch mein an sich großzügiger Puffer in Nürnberg keine Chance mehr, mir das Erreichen der Regionalbahn zu ermöglichen, also hatte ich dann die Gelegenheit, den Service für Corporate-Kunden im Kundencenter zu testen (da Ochenbruck nämlich auf den Fahrplänen nirgends ausgeschildert war, konnte ich anders nicht ermitteln, welche spätere Verbindung sich angeboten hätte).

Und zum krönenden Abschluss, schließlich in Ochenbruck angelangt, natürlich weit und breit kein Taxi aufzufinden, also standen mir schlussendlich noch anderthalb Kilometer Fußmarsch mit Gepäck ins Haus.

Ihr seht, Murphy hatte alle Hände voll zu tun und sicherlich einen Riesenspass dabei. Die Alternative, dass diese Sorte Chaos bei der Bahn Alltag ist, gefällt mir jedenfalls wesentlich weniger (und ich habe die Befürchtung, genau das ist der Fall). Mit solchen Katastrophen sollte die Bahn jedenfalls dringend von ihren Ambitionen eines Börsengangs Abstand nehmen. Jedes echte privatwirtschaftliche Unternehmen, das sich ein solches Tohuwabohu leistet, ist jedenfalls ruckzuck weg vom Fenster. Gut, auf der anderen Seite können sich Firmen wie die amerikanische AIG sogar Jahresverluste von über 100 Mrd USD leisten - das is jedoch eine Finanzklitsche.

Zugegeben, das Personal an Bord (irgendwie habe ich heute ausschließlich Schaffnerinnen gesehen) war stets freundlich und hilfsbereit, und bei jeder neuen Hiobsbotschaft kam wieder eine der Damen mit einem Korb Süßigkeiten durch den Wagen marschiert, und auch die Dame am Schalter in Nürnberg hat mir unverzüglich geholfen. Wenn ich mich jedoch in einige meiner Mitfahrgäste versetze, die zumindest ihren Anzügen nach zu urteilen vorgaben sehr wichtige Menschen zu sein, dann entschädigen auch leckere Ferrero Roché nicht dafür, einen wichtigen Geschäftstermin zu verpassen.

Leben an sich, 24.02.2009

Ich fahre ja nach dem vorzeitigen Ableben meines alten Mazda 323 seit nunmehr gut vier Monaten einen jung gebrauchten Peugeot 307 (Eckdaten: 2.0l Benziner mit 140 PS, 4-Gang-Automatikgetriebe, EZ 04/2005, 49.300 km runter bei Kauf), der mir bisher keinerlei Anlass zu irgendwelchen Klagen geboten hat. Bis gestern jedenfalls….

Am Samstag war ich mit dem Wagen in der Waschstraße, und seit gestern habe ich bei Kaltstart des Wagens folgendes Phänomen: wenn der Wagen noch komplett kalt ist, tritt nach einigen hundert Metern Fahrt (Innenstadtverkehr, also max. ca. 55 km/h) der Effekt ein, daß sich die Schaden-Warnlampe mit ihrem typischen “Ping” zu Wort meldet und im Bordcomputer-Display die Meldung “Getriebe defekt” erscheint. Nichts desto trotz kann man nach wie vor in den Tipptronic-Modus wechseln und alle vier Gänge durchschalten, das Automatikgetriebe verhält sich auch weiterhin vollkommen normal. Ignoriere ich die Warnmeldung, bis der Motor auf Betriebstemperatur 90°C angekommen ist und nutze beispielsweise die Gelegenheit einer roten Ampel, den Motor kurz abzustellen und neu zu starten, erlischt die Warnmeldung samt Warnlampe und tritt auch nicht wieder auf - bis zum nächsten Kaltstart zumindest. Wegen des offensichtlichen Zusammenhangs zur Betriebstemperatur und dem vorherigen Besuch in der Waschstraße vermute ich, daß am Sensor oder zumindest dessen Kabelweg eingedrungene Feuchtigkeit für dessen Herumgezicke verantwortlich zeichnet.

Das seltsame Verhalten trat jedenfalls seit gestern bei jedem Kaltstart auf, weshalb ich einen einfachen Sensor-Bug vermute, um den ich mir im Normalfall keine Sorgen machen würde (solche Sensor-Bugs sind ja heute leider bei nahezu jedem modernen Fahrzeug üblich, und insbesondere der Peugeot 307 ist berüchtigt für die Vielzahl solcher Softwarefehler). Den sattsam bekannten Software-Bug “ABS/ESP defekt” in Verbindung mit der Messunschärfe der beiden Bremssensoren unterm Bremspedal bin ich ja auch durch Betrieb der Klimaanlage wieder quitt geworden.

Dummerweise hatte das Getriebe-Phänomen aber zumindest gestern abend kurzzeitig den äußerst unangenehmen Effekt, daß sich das Getriebe in den Defekt-Modus (keine Tipptronic mehr, Schaltung verharrt strikt im zweiten Gang) schaltete, während ich eigentlich dabei war Richtung 100 km/h zu beschleunigen. Behoben habe ich dieses Gezicke mit der zuvor beschriebenen Methode - warten bis Motor warm, Motor aus, Motor an, fertig. Nichts desto trotz auf Dauer sehr lästig, das steht für mich jetzt schon fest.

Der Witz ist in meinem Fall nämlich, daß das Getriebe eigentlich noch brandneu ist (der Vorbesitzer litt unter einem tatsächlichen Defekt der Automatik und hat es im Dezember 2007 endlich durchgeboxt bekommen, daß ihm auf Kulanz ein komplett neues eingebaut wurde) und ich daher noch knapp zehn Monate Garantie auf das Ding habe.

Da sich trotz hartnäckiger Suche in den einschlägigen Foren und im ganzen deutschsprachigen Internet keine auch nur ansatzweise vergleichbare Fehlerbeschreibung finden läßt, frage ich euch, liebe Leser, ob ihr eventuell vergleichbare Erfahrungen habt? Wie seid ihr des Problems Herr geworden?

Hochbegabung, 07.02.2009

Es muss im Spätsommer 2005 gewesen sein, dass sich bei einem Besuch bei meinen Eltern das Gespräch in die Richtung entwickelte, warum ich so oft das Gefühl habe, von meiner Umwelt schlichtweg nicht verstanden zu werden, einfach “anders als die anderen” zu sein. Meine Mutter grub dabei eine alte Kindheitserinnerung von mir aus bzw. vervollständigte meine vage Erinnerung (ich muss so ca. 10 Jahre alt gewesen sein) um ein paar Fakten.

Damals war ich in der vierten Klasse der Grundschule, und es standen die Eignungsempfehlungen für die weiterführenden Schulformen an. Ich weiss nicht weshalb das so war, jedenfalls wurde in meiner Klasse damals in diesem Zusammenhang ein zusätzlicher Test durchgeführt, der meiner halb vergrabenen Erinnerungen zufolge damals weite Teile des Schultages in Anspruch nahm. Woran ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnerte: meine Eltern hatten damals ein längeres Gespräch mit meiner Klassenlehrerin, und die Empfehlung lautete überaus eindeutig “Gymnasium”.

Ich erinnere mich außerdem noch, daß meine Klassenlehrerin damals sehr aus dem Häuschen war, und offenbar muss ich bei diesem ominösen Test damals weit aus dem ihr gewohnten Spektrum ausgeschert sein - was nach der Aussage meiner Mutter wohl der Anlass für jenes Gespräch gewesen ist. Ihr ahnt es wahrscheinlich längst: der Test war ein Intelligenztest, und spätestens seit dem damaligen Zeitpunkt hatten es meine Eltern deutlich vor Augen, warum ich in so mancher Hinsicht ein so kompliziertes und anstrengendes Kind gewesen bin.

Warum griff meine Mutter diese Kindheitserinnerung 2005 auf? Nun, zumindest meinen Eltern war seit nunmehr über 20 Jahren bekannt, daß ich deutlich intelligenter war als die meisten anderen. Und dankbar, darauf von meiner Klassenlehrerin hingewiesen worden zu sein, hatten sie stets alles ihnen mögliche daran gesetzt, dies weiter zu fördern. Doch niemand wußte so wirklich genau, in welchen Sphären ich mich denn wirklich bewegte, und so regte Muttern an, ich solle mich doch mal über Mensa informieren - und idealerweise gleich den regelmäßig vom Verein angebotenen Test machen (und, da sie sich in Hinsicht auf das Ergebnis schon sicher war, gleich dem Verein beitreten).

Einerseits lockte mich der mögliche Erkenntnisgewinn, andererseits zögerte ich wegen der damit möglicherweise verbundenen Konsequenzen. Wie würden meine Geschwister und meine Freunde, mein Umfeld wohl reagieren? Da ich - vollkommen gegen meine sonstige Art, wie ich betonen möchte - den Überlegungen zunächst keine Taten folgen ließ, blieb meiner Family nichts anderes übrig als mir kurzerhand einen Gutschein für den Test zu schenken. Und so ging ich im Spätsommer 2006 anläßlich des Internationalen Testtags endlich hin und machte Nägel mit Köpfen.

Das Ergebnis, auf dem Postweg rund drei Wochen später in Form des dicken Umschlags eingetrudelt, war wenig überraschend, doch nun hatte ich es endgültig und unwiderruflich schwarz auf weiß, einschließlich der beigefügten Beitrittsformulare für den Verein:

(Durchatmen, jetzt mein Coming out:) Ich bin hochbegabt.

Was bedeutet das nun? Eigentlich nichts besonderes, würde ich meinen. Ich zähle halt zufällig, durch die Gnade der Geburt, zu den intelligentesten 2% der Weltbevölkerung. An sich ist das wirklich nichts besonderes, denn ich habe dafür ja nicht wirklich eine Eigenleistung gebracht. Lediglich die Gene meiner Eltern haben sich zufällig in einer Form miteinander vermischt, daß ich halt schneller lernen kann, mehr lernen kann, Erlerntes intuitiver, schneller und effizienter anwenden kann, als 98% meiner Mitmenschen. Für die Amerikaner ist Intelligenz daher einfach eine Charaktereigenschaft wie jede andere auch. Der eine ist halt klüger, der andere wegen seiner Körpergröße dazu prädestiniert, in der NBA eine steile Karriere hinzulegen, und wiederum andere können halt einfach extrem schnell laufen oder sind von Natur aus einfach nur schön. Intelligenz ist primär keine EIgenleistung, auf die man sich irgendetwas einbilden sollte, nichts, das man aus eigener Kraft erschaffen hat.

Nichts desto trotz haben insbesondere die Deutschen - wieder einmal, muss man ja wohl sagen - ein gestörtes Verhältnis zu besonders intellligenten Menschen. Ich nehme an, daß das seine Wurzeln in unserer ausgesprochenen Neidgesellschaft hat. Wie auch immer, Fakt ist, outet man sich in diesem Land als Hochbegabter, macht man sich damit in vielen Fällen offenbar automatisch zum Außenseiter, Mitglied einer Randgruppe, wird automatisch in die Ecken “Nerd, Soziopath, Freak, arrogant” einsortiert. Die Umschreibung “Intelligenzbestie” veranschaulicht diese offenbar tief verwurzelte automatische Furcht vor unsereinem.

Ich bin also seit Oktober 2006 Mitglied des deutschen Zweigs des weltweiten Vereins Mensa, genannt “Mensa in Deutschland”, kurz MinD. Und, aus vielfach bitterer Erfahrung mit meiner Andersartigkeit aus meiner Vergangenheit, war ich mit der Auskunft über diese Mitgliedschaft lange Zeit sehr vorsichtig. Anfangs wußten es nur meine Eltern (nicht einmal meine Geschwister), nach und nach habe ich dann engste Freunde eingeweiht (glücklicherweise überwiegend mit der Reaktion “hab ich doch schon lange gewußt - wurde mal Zeit, daß du da Nägel mit Köpfen machst und dir dessen selbst bewußt wirst” - in der Wahl meiner wenigen wirklich engen Freundschaften hatte ich also anscheinend kein so schlechtes Händchen). Bis dato hatte ich erst einen Fall im weiteren Freundes- und Bekanntenkreis, der offensichtlich nicht so recht damit klar kommt; sieht man von einer jungen Dame ab, der diese Information offenbar ebenfalls mehr zu schaffen machte als sie zuzugeben bereit war, und das obwohl sie selbst eigentlich alles andere als auf den Kopf gefallen war.

Ich gehe auch heute noch nicht mit meiner Mensamitgliedschaft hausieren, allerdings gibt es mittlerweile auch ein paar enge Mitarbeiter in der Firma, die inzwischen eingeweiht sind oder von allein drauf gekommen sind, was es mit diesen ominösen Stammtischen auf sich hat, die ich seit nunmehr rund zweieinhalb Jahren regelmäßig besuche. Nun, spätestens mit diesem Post vergrößert sich der Kreis der Eingeweihten weiter, da dieses Blog ja auch regelmäßig von einigen Arbeitskollegen frequentiert wird. In meinem XING-Profil verstecke ich mich eh schon sehr lange nicht mehr, und aufmerksame Leser hätten es durch diesen Post aufgrund seines Taggings eh schon lange wissen können. Insofern ist dieser Post schon lange überfällig.

Hat sich für mich seit Erhalt des Testergebnisses etwas geändert? “Bedingt”, muss ich darauf antworten. Natürlich hat sich insofern einiges geändert, als daß ich durch die Vereinsmitgliedschaft inzwischen viele andere sehr nette Menschen kennengelernt habe, die sich mit den gleichen Problemen im Alltag herumschlagen wie ich - unter anderem dem regelmäßig auftretenden Gefühl, wahlweise unterfordert zu sein oder im Umgang mit “normalen” Menschen (das würde voraussetzen, sich selbst als Anomalie zu betrachten, was ich jedoch nicht tue!) einen Gang herunterschalten zu müssen. Durch den Umgang mit Gleichgesinnten lernt man so einige Verhaltensmuster von sich selbst zu verstehen bzw. endlich richtig einzuordnen. Ich erkenne nun vermehrt mögliche Ursachen dafür, von Mitmenschen nicht richtig verstanden zu werden, ihnen durch Gedächtnisleistung, Auffassungsgabe und schlicht durch mein Tempo manchmal regelrecht Angst zu machen. Insofern muss ich bejahen, es hat sich einiges verändert. Meine Interaktion mit meiner aufrechtgehenden Umwelt gestaltet sich nun bewusster. In gewisser Hinsicht zwinge ich mich nun vermehrt, gelegentlich einen Gang herunterzuschalten, um gewisse Irritationen schlichtweg zu vermeiden.

In zwischenmenschlicher Hinsicht, bezogen auf Familie und Freundeskreis, hat sich hingegen wenig geändert, zumindest nicht zum Negativen (sieht man von den zuvor genannten ein bis zwei Totalausfällen ab). In diesem Punkt unterscheide ich mich offenbar sogar von nicht wenigen meiner anderen hochbegabten Zeitgenossen, die anscheinend entweder ein weniger glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Freunde getroffen hatten oder aber in der Herangehensweise ihrer Eröffnung zielsicher die Wanne voller Fett erwischt haben. In beruflicher Hinsicht haben sich keine weiteren Im- bzw. Komplikationen ergeben. Obwohl ich in Xing die MinD-Mitgliedschaft erwähne, bin ich noch nie von Geschäftspartnern darauf angesprochen worden. Und in der Firma gab es bisher lediglich ein oder zwei mal die Situation gefragt worden zu sein, was es denn mit meinen ominösen Stammtischen auf sich habe.

Warum dann dieser riesige Post? Ich will es mal so formulieren: ich hatte, nicht nur in Zusammenhang mit der Hochbegabung, in den letzten zwei Jahren einige Dinge für mich zu sortieren. Und gestern Abend fiel mir bei einem Gespräch auf, daß mein Umzug letzten Sommer für mich gleich in mehrfacher Hinsicht wichtig gewesen ist. Unter anderem habe ich diesen ja auch dazu genutzt, viele alte Zöpfe abzuschneiden und so manches Päckchen der Vergangenheit hinter mir zu lassen bzw. dem Sperrmüll zu überantworten. In gewisser Hinsicht kann man den Umzug und die Dinge, die für meine weitere Planung daran hingen und hängen, als eine Metapher darauf sehen, bestimmte Dinge für mich selbst neu zu sortieren und zu priorisieren. Und ich bin zu der Einschätzung gelangt, diesen Prozess nun weitgehend abgeschlossen zu haben. Man könnte auch sagen, ich bin “angekommen”.

In Zukunft werde ich hier nun öfter über Dinge schreiben, die im engeren oder entfernteren Sinne mit Hochbegabung assoziiert sind; vielleicht hilft es auch, seitens der “Normalen” Ressentiments Hochbegabten gegenüber abzubauen, indem ich Aspekte des Lebens aus der Sichtweise eines Hochbegabten schildere.

Übrigens, sehr empfehlenswerter Roman: John Brunner, Der Schockwellenreiter. Primär Science Fiction, aus den 70ern des letzten Jahrhunderts. In gewisser Hinsicht aber durchaus auch metaphorisch auf die Art, wie Hochbegabte mit unserer sich rasend schnell entwickelnden Informationsgesellschaft umzugehen gelernt haben.

Leben an sich, 05.02.2009

Ich stelle gerade fest, daß ich mich schon wieder seit über einem Monat nicht mehr zu Wort gemeldet habe - da wird es ja mal wieder dringend Zeit.

Nun, heute habe ich dazu zumindest auch einen Anlass, wenngleich keinen netten. Denn die heutige Gelegenheit muss genutzt werden, vor der schreienden Inkompetenz der Belegschaft der CU-Bar in Dortmund zu warnen.

Wir wollten diesem Etablissement heute mittag mit einigen Arbeitskollegen spontan mal wieder einen Besuch abstatten und vom explizit so bezeichneten Schnitzeltag zu Mittag partizipieren. Gut, außer unserem Quotenmädel, die dort mit einer Freundin verabredet war, hatte niemand von uns vorbestellt, aber man darf im Normalfall ja durchaus annehmen, daß, sofern man noch einen Sitzplatz bekommt, die zeitnahe Zubereitung der bestellten Speisen ein Restaurant, das jeden Tag ein anderes Thema hat, nicht vor unlösbare logistische Probleme stellen sollte.

Welch fataler Irrtum! Nicht nur, daß unsere Kollegin und ihre Freundin trotz Vorbestellung schon reichliche 20 Minuten auf ihr Essen warten mussten. Nein, da haben sich meine beiden Kollegen und ich doch glatt erdreistet, am Schnitzeltag eben genau das zu bestellen - und selbst nach 50 Minuten blieben unsere Mägen immer noch kalt und leer. Dezente Hinweise wie die laut in den Raum gestellte Frage, ob die Schnitzel hier so frisch sind, daß man die Schweine erst noch schlachten und ausbluten müsse, wurden glattweg ignoriert, alldieweil sich eh keine der Bediensteten nach der Aufnahme der ersten Bestellung überhaupt noch einmal an unserem Tische blicken ließ.

Ein Hauch von Erwachen stellte sich erst bei den Mädels ein, als wir Jungs zusammen mit den Mädels aufbrachen und lediglich unsere Cola bezahlten - und drei Schnitzel offen auf der Rechnung blieben. Voller Übermut traute sich eine der Trullas sogar zu, uns nachzulaufen und nachzuhaken, da wären doch noch die drei Schnitzel unbezahlt. “Welche Schnitzel meinen Sie? Die, die wir auch nach 50 Minuten Wartezeit nicht erhalten haben?” - Erste Verdatterung; ein vorsichtiges Linsen auf den Kassenbon, leichte Errötung bei der Erkenntnis, daß wir tatsächlich schon sehr lange gewartet hatten. Vorsichtiger Protest “aber die kommen doch gleich”. “Sorry, Babe, aber es sollte bekannt sein, daß Mittagspausen sich nicht unbegrenzt ausdehnen lassen. Und wir haben schon sehr lange gewartet. 50 Minuten sind einfach inakzeptabel!”

Dem hatte die Perle dann außer einem “Tja, hm” dann nichts mehr entgegen zu setzen. Fazit: das Problem der langen Wartezeiten bestand im CU schon immer. Daß man trotz Vorbestellung immer noch recht lange wartet, ist auch nichts neues mehr. Daß normale Laufkundschaft aber zugunsten anderer Gäste einfach links liegen gelassen wird und man uns dann noch doof anmacht, wenn wir von unserem Recht als Gast Gebrauch machen, wegen unzumutbarer Wartezeit von unserem Angebot des Kaufs einer Mahlzeit zurückzutreten, ist schon mehr als dreist und unverfroren. Und da nach Auskunft der beiden Mädels, die immerhin ja eine Mahlzeit zu verdrücken bekommen hatten, auch die Qualität ziemlich gelitten hat, bleibt nur das Fazit um diesen Laden in Zukunft einen weiten Bogen zu machen und andere potenzielle Gäste, so sie sich vom Besuch schon nicht abhalten lassen, zumindest dazu zu ermuntern, auch mal Nägel mit Köpfen zu machen.

Denn alle regen sich immer wieder über die Servicewüste Deutschland auf, insbesondere auch in der Gastronomie, aber nie traut sich jemand, auch mal das einzig dagegen sinnvolle Exempel zu statuieren und mit den Füßen abzustimmen. Allein schon deshalb war es mir heute den knurrenden Magen wert und ein innerer Reichsparteitag, ein paar dämliche Schnepfen in den Zwang zu setzen ihrem Chef zu erklären, warum sie drei volle Mahlzeiten wieder ausbongen müssen.

Wordpress, 15.12.2008

So, nu hab ich die Faxen dick. Die manuelle Kommentarspammerei von unterbezahlten studentischen Hilfskräften, die sich einspannen lassen, um ihre Logikbömbchen dank der manuellen Eingabe an allen automatisierten Antispamtechniken vorbei zu platzieren, geht mir hier inzwischen so dermaßen auf die Testikel, dass ich nun zur einzig sinnvollen Gegenmaßnahme greifen musste - ab sofort gibts für fleißige Kommentatoren ein Feld weniger auszufüllen, denn die Eingabe einer URL ist ab sofort weder nötig noch möglich.

Das ist schade für die ehrlichen und echten Besucher, daß es nun keinen Backlink mehr von mir gibt, aber anders ist der manuellen Spamflut offensichtlich nicht mehr beizukommen. Bedankt euch also bei euren Mitmenschen, die sich fürs Verbreiten mehr oder weniger krimineller Links fürstlich entlohnen lassen.

Pages:  « 1 2 3 4 5 6 7 ...69 70 71 »