Eines der Buzzwords, denen man in den letzten Monaten immer wieder begegnet, vorzugsweise dann, wenn sich jemand beim schlechten Versuch es zu praktizieren ertappen läßt, nennt sich “virales Marketing”.
wikipedia definiert dies als eine Marketingform, die soziale Netzwerke ausnutzt – noch so ein Buzzword, welchem man insbesondere im Zusammenhang mit der Blogosphäre oder Communityplattformen wie openBC immer wieder begegnet. Wie der Wikipedia-Artikel nicht ohne Gehässigkeit verlautet, nannte man diese Form von Werbung früher ganz banal Mundpropaganda, und als solche hat das Ganze auch ziemlich gut funktioniert.
Blöde dabei ist nur, dass “virales Marketing” im Prinzip eine Contradictio in adjecto ist (neudeutsch lateinisch für “Widerspruch in sich”) – wie der Wortbestandteil “viral” schon andeutet, dessen Wortstamm “Virus” nicht ganz unbegründet gewählt ist, soll sich eine auf diese Weise verbreitete Werbebotschaft wie eine Epidemie respektive Lawine verbreiten. Genauso blöde dabei: Viren mutieren gelegentlich schon einmal, und dann passiert es unter Umständen, dass ein zunächst harmloser Grippevirus sich in eine ziemlich tödliche Krankheit verwandeln kann.
Genau das passiert nicht nur in der freien Wildbahn recht regelmäßig, wie man heuer ja wieder am Beispiel der Geflügelgrippe sehen kann, die es nun bis in die Türkei geschafft hat, sondern auch in so abstrakten Umgebungen wie dem Internet
Genau in dieser Umgebung, speziell in Klein-Bloggersdorf, scheint sich herauszukristallisieren, dass der Versuch, eine Botschaft über den Weg viralen Marketings weiterverbreiten zu wollen, sich sehr schnell als Schuss ins Knie erweist, denn offensichtlich möchten wir Blogger uns nicht gerne als kostenloser Werbeträger instrumentalisieren lassen. Das hat der Exorzismus der Emily Rose in der Vergangenheit ebenso einleuchtend gezeigt wie die aktuell grassierende Hirnpest im Umfeld der Schlagworte “Sozialgericht Bremen”, “Heidi Klum” oder “Vakona”…
in diesem Sinne, genießt das Wochenende, Leute!
1 Kommentar
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eltom sagt:
11.01.2006 von 11:14 (UTC 0 )
Fantastischer Artikel! Vielen Dank!
Alleine die Erläuterung der “Mutation” ist schon einen Preis wert! Werde den Link an die vielen Marketing-Heimer weiterleiten, die ich kenne… Danke!
Milliondollarhomepage - abkassieren und weg? | 4null4.de - Blog around the world sagt:
17.01.2006 von 01:18 (UTC 0 )
[...] War die Milliondollarhomepage also am Ende doch nur eine riesige Gelddruckmaschinerie, die es – quasi in einer Abart zur Abwechslung funktionierenden viralen Marketings – nur verstanden hat, die Blogosphäre als Marketing-Sprachrohr effizient zu missbrauchen? Von CountZero, 17. Januar 2006, 01:18 Uhr [...]