Mein heutiger Sonntag fiel etwas anstrengender aus als die sonst üblichen, da mein Wecker heute extrem früh klingelte – ich musste pünktlich um neun in Kempen bei meinem alten Schulfreund Zedel sein, um gemeinsam nach D’dorf zum Flughafen zu juckeln. Daran ist besagter Zedel “Schuld” gewesen, denn er hat mich vor einigen Wochen bequatscht, mich mit ihm und einem seiner Kumpel auf einen der von Air Berlin an diesem Wochenende organisierten Rundflüge einzulassen.
Noch nie geflogen
Man muss dazu sagen, dass ich bisher in meinem ganzen Leben noch nie mit einer großen Verkehrsmaschine geflogen bin – meine einzige Flugerfahrung basiert auf einem Flug mit einer winzigen Cessna im zarten Alter von 11 Jahren – also nicht wirklich vergleichbar. Aufgrund der Entwicklungen in meinem beruflichen Umfeld dachte ich mir irgendwann, nachdem Zedel mich lange genug bekniet hatte, “was solls, früher oder später musste eh in so eine Maschine steigen, also probierste es lieber vorher einfach mal aus”. Gesagt, getan, 29 Euro investiert, die ich mir wochenlang vom Mund abgespart habe
und ebenfalls gebucht. Und heute war dann quasi der große Tag – der ziemlich nebelig und verregnet anfing. Glücklicherweise stellte sich das Wetter über dem D’dorfer Airport als deutlich besser heraus. Die Wolkendecke war zwar auch hier scheinbar praktisch dicht, aber immerhin war es trocken und blieb dies auch für den ganzen Tag.
Cynic Tours
Da ich den Flughafen auch noch nicht kannte (wozu auch, wer nicht fliegt, tummelt sich eher selten dort herum), nutzte unser Trio die sich bietende Gelegenheit einer kostenlosen Führung, mit dem Bus bequem einmal das gesamte Gelände kennenzulernen. An dieser Stelle geht denn auch mein besonderer Dank an unseren Führer Sprecher, der diese Bustour (be)g(e)leitet hat, denn der gute Mann hatte eine zynische Kodderschnauze, die uns drei königlich amüsierte. Nicht nur, dass er die damals nach dem Flughafenbrand errichtete Ersatzhalle mit den Worten “nun zu einem Gebäude, das nur wenig älter ist als die beiden Quengelkinder hier in der ersten Reihe” vorstellte, auch seine Klassifizierung der an den Runways vorzufindenen ornitoiden Tierwelt war höchst amüsant.
Einige Bemerkungen hinsichtlich der Sparwut bei den Billigairlines – offensichtlich war der gute Mann absolut kein Freund der Geiz-ist-geil-Mentalität – rundeten die höchst interessante und amüsante Tour ab.
Check-In
Für mich als absoluten Bisher-Nicht-Flieger war die Tour die perfekte Vorbereitung auf den nun folgenden Höhepunkt des Tages – der Flug von Düsseldorf nach Düsseldorf. Das Ticket sieht so absurd aus, das wird auf jeden Fall aufbewahrt, um später einmal zum Erzählstoff für die Enkel, die ich dereinst mit dieser Anekdote quälen werde, auch mit einem Beweis aufwarten zu können
. Der Flug sollte um 14 Uhr starten, also checkten wir direkt nach der Rückkehr von der Bustour schon ein, als die Schalter noch leer waren, und fanden uns dann ca. 13 Uhr am Checkpoint ein.
Hier gingen dann mit meinen beiden Gefährten die Pferde förmlich durch, als sie einer niegel-nagelneuen Triple-Seven aus den vereinigten arabischen Emiraten angesichtig wurden, die gerade an einem Checkpoint gegenüber abgefertigt wurde. Zugegeben, ein imposantes Maschinchen ist das, aber ich habe die zwei noch nie so aus dem Häuschen gesehen
Der Flug
Nun begann der für mich spannende Teil – der eigentliche Flug. Dieser fand an Bord einer Boing 737-700 der Air Berlin statt. Was nicht nur mich, sondern auch meine beiden Gefährten sehr erstaunte, war der Umstand, dass wir auf den Sitzen sogar ein kleines Lunchpaket vorfanden – das übrigens gar nicht mal übel war. Per Zufall hatten wir unsere Plätze in Reihe 19 direkt hinter den Tragflächen zugeteilt bekommen und ich den Fensterplatz 19F.
Während wir darauf warteten, dass es losging, machten wir drei unsere Witzchen, wobei wir glaube ich so ca. 90 Prozent des Katastrophenspektrums aller schlechten Hollywood-Streifen mit Flugzeug-Hintergrund durchbrachten. Sehr aufschlussreich war für mich natürlich auch die Diskrepanz in räumlicher Hinsicht zwischen den Maschinen aus Red Eye und Flightplan. Als die Maschine dann auf dem Taxiway Richtung Runway zu rollen begann, begrüßte uns der Kapitän unter anderem mit dem Hinweis, dass man zum Kölner Flughafen fliegen würde, wo wir jedoch anstelle einer Landung einen Durchstart live und in Farbe erleben würden. Ich würde also bei meinem Erstflug das volle Programm bekommen, na fein
Auch Zedel und Björn waren hocherfreut, denn eigentlich ist so ein Durchstarten wohl ein recht gefährliches Notfall-Manöver, falls beim Landeanflug etwas schiefgeht (etwa wenn man wie im Fall der Atlas-Maschine Anfang des Jahres 2005 in D’dorf das Ende des Rollfelds erreicht, bevor die Maschine richtig gebremst ist).
Als die 737 dann endlich Gas gab und abhob, war das Gefühl, das sich dabei einstellt, unbeschreiblich. Man wird mit einer ordentlichen Power in den Sitz gepresst, mehr oder weniger plötzlich neigt sich die Maschine nach hinten – wobei ich glaube, dass es einem nur als plötzlich erscheint, weil man die Fälle an Sinneseindrücken gar nicht so schnell verarbeiten kann wie sie auf einen niederprasseln – und weite Teile des Verdauungstraktes scheinen sich auf einmal ungefähr in Höhe deiner Fußknöchel zu befinden. Ehe man ansatzweise den gesamten Vorgang begriffen hat, befindet man sich schon mehrere hundert Meter hoch in der Luft, wo die inneren Organe dann nach und nach wieder ihre angestammte Position einnehmen. Wie gesagt, das Gefühl ist eigentlich unbeschreiblich, entsprechend unbeholfen finde ich vorhergehenden Erklärungsversuch. Fakt ist jedenfalls, ich sehe in keinem einzigen Moment auch nur die geringste Veranlassung, so etwas wie Flugangst aufzubauen oder zu empfinden.
Während des Fluges, der zumindest für den Düsseldorfer Raum belegte, dass die Wolkendecke nur vom Boden aus als dicht erschien, gab es dann freundlicherweise noch einen winzigen kleinen Durchsacker – Luftloch wäre übertrieben – und auch das Durchstarten über dem Kölner Runway war nochmal sehr nett, aber ansonsten passierte absolut nichts übermäßig Spannendes mehr.
Zum Flugende hin konnte man dann wieder einmal Augenzeuge typisch deutschen Verhaltens werden: erstens war es wohl unvermeidlich, dass sämtliche Fluggäste nach erfolgreicher Landung in Applaus ausbrachen – ich möchte das auch mal erleben, dass man mir applaudiert, nur weil ich meinen ganz normalen Job mache – und zweitens stand die Maschine keine zwei Sekunden, als außer uns Dreien fast jeder aufsprang, nach seinem Handgepäck nestelte und sich dann je nach Sitzposition in unterschiedlich unbequemen Körperhaltungen noch für mehrere Minuten die Beine in den Bauch stand. Auch das Gedränge, als der Ausgang dann tatsächlich geöffnet wurde, erinnerte mich doch sehr an einen typischen Kinobesuch im Duisburger UCI-Kino mit der dort vertretenen Asi-Mischpoke.
Alles in Allem also ein spannender Tag für einen Erstflieger und wachsendes Erstaunen, wieso manche Menschen so panische Angst vor etwas so banalem wie einem Flugzeugstart entwickeln können
5 Kommentare
3 Pings
Christian sagt:
20.11.2005 von 20:43 (UTC 0 )
Gratuliere zum ersten Flug
Als Dank fuer die nette Info, dass das Durchstarten in Montpellier im März, das ich live erleben durfte dann wohl ein “eigentlich … recht gefährliches Notfall-Manöver” war (urgs) gibts gratis die Info: fliege – wenn es sich eben vermeiden läßt – nie mit einer akut in die Stirnhölen gezogenen Erkältung. Vor allem nicht lange – wenn so eine Stirnhöhle sich erstmal an den fehlenden Druck gewöhnt und ihn mit Entzündung ausgefüllt hat ist ein einstündiger Sinkflug kein Spass.
Ach ja: zu einem seltsamen Gott betende, aus allen Poren Angstschweiss absondernde 2 Meter 20 mal 1 Meter 20 – Riesen in der Billig-Chartermaschine neben einem sollte man auch vermeiden
Womit meine Flugerfahrungen auch am Ende wären.
CountZero sagt:
20.11.2005 von 21:00 (UTC 0 )
hi christian,
vielen dank für gratulation und info
)…. am fliegen is nun wirklich nichts schlimmes dran. ich frage mich, wie man so eine phobie aufbaut
gerade das mit dem angstschweiss absondernden riesen find ich nach der heutigen erfahrung wirklich irritierend. ich mein, meine begleiter haben ja eigentlich keine gelegenheit ausgelassen, die hollywood-bekannten horrorgeschichten aufzuwärmen, und ich wußte ja gefühlsmäßig überhaupt nicht, was mich da erwarten würde (achterbahn-verweigerer bin ich ebenfalls seit kindesbeinen an
Christian sagt:
20.11.2005 von 21:58 (UTC 0 )
Ich denke, wenn man ein bisschen klaustrophobisch veranlagt ist, hilft das.
Auch ein labiler Kreislauf oder ein Hang zu Panikattacken machen es vermutlich einfacher, eine grundsolide Flugangst aufzubauen.
Als ich damals auf die Kanaren (erster Flug) unterwegs war, durfte ich auch nicht so wirklich darüber nachdenken, dass ich jetzt vier Stunden eingesperrt war.
).
Dann ist es spannend, denn: Auf der anderen Seite fasziniert mich die Technik und vor allem diese irrsinnige Beschleunigung (an dieser Stelle ein laute Tim-taylor-Grunzen einfügen
Ken sagt:
04.12.2005 von 17:35 (UTC 0 )
Hi,
ich möcht hier noch einige meiner Erfahrungen preisgeben, denn ich habe Flugangst. Das auch erst seit 1~2 Jahren, vorher hatte ich noch nie Probleme.
Mit 3 Monaten bin ich das erste Mal geflogen und seit dem fast jedes Jahr nach Japan und zurück (da wohnen meine Großeltern) – aber seit 2004 habe ich immer ein schreckliches Gefühl beim Starten (Landung ist nicht so schlimm), während des Fluges, zu jeder Turbulenz, Vorstellungen wie ein plötzlicher Abriss des rechten Flügels oder ähnlichem – man kommt sich schon wie in einem schlechten Hollywood-Film vor – dieses Jahr habe ich das wieder gehabt, konnte selbst die Nacht vor dem Flug kaum schlafen – die Aufregung bleibt so lange bis ich mit weichen Knien im gelandeten Flugzeug aufstehen kann.
Beim letzten Heimflug hab ich es versucht zu überstehen, indem ich beim Start einfach alles um mich herum versucht habe “abzuschalten”; MP3-Player von meinem Vater in die Ohren, voll aufdrehen, FAZ aufschlagen und lesen! Damit man nicht mitkriegt, in einem Flugzeug zu sitzen. Während des Fluges, so lange es ruhig zugeht kann ich mich auch ohne Probleme beruhigen… Flugerfahrung habe ich genug. Ich bin insgesamt schon mehr als 50 Flüge geflogen, von denen wohl 20 über 10 Stunden lang, aber erst seit kurzem habe ich Angst davor. Nicht vorm Fliegen, sondern vorm Abstürzen, hilflos zehn Tausend Meter auf den Tod wartend hinunterzufallen. Ich weiß wie selten das passiert, aber dann denke ich immer, wenn es passiert, dann mit mir in der Maschine =(
Grad mein Kommentar,
Ken
CountZero sagt:
04.12.2005 von 19:23 (UTC 0 )
hallo ken,
vielen dank für deinen kommentar. deine form von flugangst kommt meiner vorstellung, wie sie sich bei den meisten patienten manifestiert, ziemlich nah. da ja in den letzten jahren etliche maschinen (allerdings vor allem der billigst-airlines!) runtergekommen sind, ist auch eine langsame entstehung einer solchen phobie trotz jahrzehntelanger flugerfahrung wohl nachvollziehbar. ich muss allerdings dagegen halten, daß das fliegen statistisch gesehen immer noch das sicherste verkehrsmittel der welt ist, denn durch verkehrsunfälle oder zugunglücke sterben jährlich wesentlich mehr menschen – insbesondere in relation zur anzahl derjenigen, die mit den jeweiligen verkehrsmitteln transportiert werden. wahrscheinlich ist dieser mathematische zusammenhang bei mir wohl auch der spezielle aspekt, weshalb ich vor diesem ersten flug nicht die geringste nervosität verspürt hab die wahrscheinlichkeit, ausgerechnet bei so einem schnupperflug draufzugehen, war einfach zu gering – und das eintreten eines unglücks hätte wohl alle 140 passagiere der maschine für den darwin-award qualifiziert.
Mizomat sagt:
20.11.2005 von 21:12 (UTC 0 )
DUS-DUS
Ich fliege gern. In einer Höhe von 30.000 Meter in einem Flugzeug zu sitzen und die Welt von oben zu beobachten, ist für mich immer wieder ein Erlebnis. Ich nutze wirklich jede sich mir bietende Gelegenheit zu fliegen.
So habe ich heute im Rahmen ei…
Reisebericht Tag 1: Perfekter Start | 4null4.de - Sarcasm's paradise sagt:
10.06.2006 von 20:12 (UTC 0 )
[...] Meine grundsätzliche Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen deutscher Flughäfen, die ich schon anläßlich des Air Berlin Rundfluges gilt aber nach wie vor – zwar waren die Kontrollen gegenüber diesem damaligen Schnupperflug deutlich ausführlicher, jedoch schert sich bei der Gepäck- und Personenkontrolle kein Mensch um das Ticket. Es ist also offensichtlich auch bei Auslandsflügen jederzeit möglich, ein Ticket auf Person A zu buchen und tatsächlich Person B fliegen zu lassen – bedenklich, muss ich sagen. [...]
Airbus A380 in Düsseldorf - Live gesehen | 4null4.de - Sarcasm's paradise sagt:
12.11.2006 von 17:41 (UTC 0 )
[...] Heute war ich wieder mit Zedel und seinem Kumpel Björn am Düsseldorfer Flughafen, fast genau ein Jahr nach der letzten Aktion dieser Art. Denn wie letztes Jahr fand am Flughafen ein Erlebniswochenende statt, zu dessen Anlass Air Berlin wieder preiswerte Rundflüge angeboten hat. [...]