Heute jährt sich mal wieder das wohl einschneidenste Ereignis des frühen 21. Jahrhunderts - ich weiss, heute lest ihr wohl überall von 9/11, doch ich habe da auch meine eigenen Gedanken und Erfahrungen zu…
Ich verbinde beispielsweise unweigerlich auch den Todestag meines Großvaters mit dieser Katastrophe, da dieser am Abend zuvor, den 10.9., im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Nicht zuletzt deswegen war ich an 9/11 mittags bei meinen Eltern, hatte aber nachmittags blöderweise auch noch einen Termin in Krefeld, den ich nicht einfach absagen wollte bzw, meinte nicht absagen zu können. Damals war ich gerade anderthalb Jahre selbständig, der Laden ließ sich gut an, und es ging bei dem Meeting um die Planung einer Kooperation zwischen einer Grafikerin und mir.
Mitten während der Besprechung ging dann mein Handy auf Sturm, von den verschiedensten Leuten, und irgendwann wurde es mir dann doch zu bunt und ich ging kurz ran, um meinen Freunden mitzuteilen, es wäre gerade extrem ungünstig, ich würde mich wieder melden, wenn ich wieder Zeit hätte.
Das führte dazu, daß ich bis nach 22 Uhr absolut nichts von den Ereignissen jenseits des Atlantiks mitbekommen sollte. Erst als ich mich schon auf der A40 zurück auf dem Weg nach Essen befand, rief ich meine Kumpels zurück und fragte nach, was denn so wahnsinnig wichtig wäre. Als die mir daraufhin die Gegenfrage stellten, ob ichs noch nicht mitbekommen hätte, daß die Türme des World Trade Center nach den Einschlägen zweier Passagierflugzeuge in Flammen stünden, dachte ich erst, das wäre ein sehr geschmackloser Scherz im hilflosen Versuch mich über den Tod meines Opas aufzumuntern. Nein, beteuerten sie, es wäre ihr purer Ernst.
Also steuerte ich nicht meine eigene Wohnung an, sondern bin zu den Freunden rein, und da liefen die erschütternden Bilder auf allen Sendern immer wieder über die Mattscheibe.
Die Nacht war für mich gelaufen, die darauf folgenden Tage ebenfalls. Aus der Kooperation wurde nichts, und binnen kurzer Zeit verschlechterte sich auch die Auftragslage dramatisch. Was ich damals noch an Aktien im Depot hatte, die noch nicht durch das Platzen der Dotcom-Blase im Keller waren, rauschte nun endgültig auf Talfahrt, und da ich mich in einem tiefen emotionalen Loch befand, hatte ich schlichtweg nicht die Kraft, auch nur irgendeinem dieser vielen Aspekte gegenzusteuern.
Heute, in der Nachbetrachtung, würde ich das als reinrassige Depression diagnostizieren. Ich brauchte fast ein Dreivierteljahr, aus dem Loch wieder rauszukommen. So richtig klappte das erst, als ich mir selbst das Scheitern meines Studiums eingestand, die Scherben zusammenkehrte und die Entscheidung fällte, von Grund auf neu anzufangen und alles andere hinter mir zu lassen.
Letztendlich war das wohl die einzig richtige Entscheidung, und so stehe ich nun hier, sieben Jahre danach, in fast allen erdenklichen Belangen sehr erfolgreich und zufrieden…..

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