Als letzte Woche die Chose mit den 19.000 Personendatensätzen samt Bankverbindung durch die Medien ging, hätte ich nicht erwartet, daß das solche Wellen schlagen würde. Denn eigentlich dachte ich immer “das weiss doch jedes Kind, daß querbeet und bundesweit personenbezogene Datensätze in großem Stil verhökert werden”.
Um so erstaunlicher stellt sich für mich der Aufschrei quer durch die Republik dar, denn eigentlich sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, daß die Abermillionen Gewinnspiele in diesem Land keinen anderen Zweck als das gezielte Sammeln von möglichst vielen Personalien haben. Wer glaubt, die Unternehmen würden einfach nur aus Jux und Dollerei Milliardenbeträge und -gegenwerte verschenken, ohne dafür in irgendeiner Form einen monetären Gegenwert zu erwarten, der muss einfach glühend naiv sein.
Zu dumm, offenbar waren bisher locker 98% der Bevölkerung so glühend naiv, anders ist das laute Gezeter quer durch alle Medienlandschaften nicht zu erklären. Doch halt, eine Idee hätte ich da noch. Der Skandal um die Personendaten und was im Zuge dessen nun ansonsten noch an Datenschmutz ausgebuddelt wird, kann hervorragend dazu genutzt werden, von anderen Problemen unseres Landes abzulenken, etwa der in Kürze bevorstehenden Bezifferung des neuen einheitlichen Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenkassen. Dummerweise reichte der EM-Hype ja nicht lange genug, und auch Olympia ist erstens in zwei Tagen zu Ende und zweitens wegen der teilweisen Zensur der Presse-Internetzugänge ja auch nicht eben ideal geeignet, den deutschen Michel von seinen finanziellen Sorgen abzulenken.
Etwas Gutes hat das Datendesaster nun aber für an Datenschutz interessierte ITler wie mich dennoch – es besteht nun zumindest kurzzeitig einmal eine Chance, Normalsterbliche für etwas mehr Sorgfalt im Umgang mit ihren persönlichen Daten zu sensibilisieren. Möglicherweise gibt nun nicht mehr schon jeder Halbdepp sein halbes Leben in irgendwelchen Preisausschreiben-Webformularen preis, sondern nur noch jeder Volldepp. Das mir und anderen sonst so gern vom dummen Vieh entgegengeschleuderte Totschlagargument “warum sollte ich nicht bei sowas mitmachen, ich hab doch nichts zu verbergen?” habe ich jedenfalls in den letzten Tagen erstaunlich selten vernommen.
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