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Feb
02
2008

Die Katastrophe der Zeitlosigkeit

Kennt ihr das auch? Man steht morgens auf, stellt sich unter die Dusche, und beim Ankleiden merkt man auf einmal, daß der bevorzugte Armbandchronometer (neudeutsch: eure Lieblingsarmbanduhr) wahlweise ausgefallen ist (lies: meist die Batterie leer ist) oder schlimmeres mit dem guten Stück passiert ist.

Diese Situation ist mir heute nach langer Zeit einmal wieder untergekommen, denn der Verschluss meiner derzeit bevorzugten Armbanduhr ließ sich mit einem Mal nicht mehr schließen – und Ersatz war so schnell keiner greifbar, da Murphy es ja so will, daß die anderen Uhren gerade keinen Saft haben. Mir blieb daher nichts anderes übrig als ohne Zeit aus dem Haus zu gehen…

Ein furchtbares Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes keine Zeit mehr zu haben – sprich: sie nicht bequem ablesen zu können. Klar, praktisch überall in der Stadt hängen irgendwo Uhren herum, und im Handy ist ebenfalls eine Digitaluhr. Wirklich “zeitlos” ist man heuer also tendenziell wohl eher selten unterwegs. Jedoch weiß wohl jedes Kind, wie dramatisch falsch die städtisch betriebenen/gewarteten Uhren oft gehen, und immer wieder das Handy raussuchen zu müssen ist erst recht nicht das Wahre. Automatisch wandert der Blick immer wieder ans so nackte Handgelenk, “es ist gerade exakt Haut vor Knochen”, und ich persönlich bevorzuge gute alte analoge Instrumente bei weitem gegenüber der meines Erachtens nach häßlichen digitalen Darstellung. Ein schreckliches Gefühl, so nackt, ohne Zeit am Arm, durch die Welt zu wandeln. Nicht, daß man wirklich etwas verpasst (hat eigentlich mal jemand eine Studie darüber angestellt, wieviel Zeit unseres Lebens wir Menschen dadurch vergeuden, einfach nur nach der Zeit zu schauen?), es ist einfach ein unterbewußtes Unwohlsein. Der Homo Metropolis hat nämlich schlichtweg verlernt, sich auf innere Uhr und Stand der Gestirne zu verlassen, um wenigstens grob die aktuelle Uhrzeit abzuschätzen. Stattdessen fragt man dauernd im direkten Umfeld, wie spät es inzwischen ist, wenn das eigene Handgelenk plötzlich unbeuhrt bleiben muss.

Ich war heute in Düsseldorf drauf und dran, mir aus der Not heraus eine neue Uhr zu kaufen – und dabei bin ich so gar kein Freund von Spontankäufen. Glücklicherweise ist es mir vorhin mit etwas Fummelei gelungen, den Verschluss meiner Uhr selbst zu richten – ich fühle mich nun nicht mehr so nackt und habe “meine Zeit” nun wieder “bei mir”. Wochenende gerettet ;)

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