13.01.2008

Gestern stand zum zweiten Mal in diesem noch jungen Jahr Kino an (auf meinen ersten Kinobesuch dieses Jahres gehe ich später noch in einem eigenen Beitrag ein), und es mußte natürlich einer der aktuell gehypeten Streifen sein - die Neuverfilmung des Omega-Manns in Form von “I am Legend” mit niemand geringerem als Will Smith in der Hauptrolle. Überhaupt ist der gute William über weite Strecken der Spielzeit der einzige menschliche Protagonist - und wäre da nicht noch die Schäferhündin Samantha (”Sam”) als seine treue Begleiterin, wäre er sogar weitenteils der einzige Protagonist.

Ich traf mich mit einem langjährigen Freund zur Abwechslung einmal weit abseits des durch Cinemaxx und UCI beherrschten Mainstream-Massenabfertigungskinos, denn wir hatten uns für die Kempener Lichtburg entschieden - ein verglichen mit den Proll-Tempeln mit Popcorn-im-Haar-und-dumm-angesaugt-werden-Garantie relativ kleines, urgemütliches Kino mit absolutem Rauchverbot im gesamten Gebäude, sage und schreibe vier Kinosälen, von denen der größte genau 250 Sitzplätze hat und die restlichen kaum die 100er-Marke ankratzen, geschweige denn erreichen. Also ein richtig schönes, man möchte fast schon sagen Oldschool-Kino - wäre es nicht in den letzten Jahren kernsaniert und innen komplett neu und mit allem erdenklichen modernen Schnickschnack aufgerüstet worden, um den Kinogenuss zu steigern. Dank dieser modernen Technik, der dennoch erhaltenen gemütlichen Atmosphäre, der vollständigen Abwesenheit untersozialisierten Pöbels (der fährt samstags stattdessen ins Krefelder Cinemaxx, um sich dort gegenseitig während der Vorführung auf den Sack zu gehen) und schon erwähnten Rauchverbots stellt die Lichtburg einen echten Lichtblick dar.
Man weiss solche Dinge irgendwie und interessanterweise automatisch in genau dem Moment wieder zu schätzen, wenn man nach vielen Besuchen in jenen überdimensionierten Asitempeln mal wieder in einem echten alten gemütlichen Kino in einer historischen Innenstadt einkehrt und feststellt, daß man vom Film tatsächlich alles mitbekommt, weil es bis auf das leise Knistern der Popcorntüten von keiner Seele im Publikum einen störenden Laut gibt. Ende der Werbedurchsage ;)

Doch zurück zu “I am Legend”. Vielleicht habe ich ihn gerade aufgrund der Atmosphäre am “Austragungsort” als angenehmer und spannender empfunden als beispielsweise Rene, den es zufällig in den gleichen Film verschlug. Ich bin ja prinzipiell - ich führe es auf meinen tiefschwarzen Charakter zurück - ein großer Fan von Dystopien und Endzeitszenarien, die gekonnt in Szene gesetzt werden (egal ob nun in literarischer oder filmischer Hinsicht), insofern war der Plot schon per definitionem genau das Richtige für mich. Ohne meinen Lesern zuviel zu verraten, ein kurzer Abriss des Geschehens: 2009 findet eine US-Wissenschaftlerin scheinbar ein Heilmittel gegen Krebs, indem sie das Masern-Virus genetisch manipuliert. Von mehr als 10.000 Probanden wird buchstäblich jeder als geheilt aus dem Test entlassen. Blöderweise hat niemand mit den Langzeitfolgen gerechnet, denn das Virus mutiert offenbar weiter und führt nicht nur zu einem zu 90 Prozent letalen Ergebnis in Form frühzeitigen Ablebens durch Tod, sondern für weitere 98% der rund 640 Mio diese kataklysmischen Katastrophe zunächst Überlebenden zu einer weit schlimmeren Mutation, die offenbar für die restlichen 12 Millionen Menschen schlussendlich ebenfalls tödliche Folgen hat. Bis auf Robert Neville (Will Smith), der nicht nur immun gegen das Virus ist, sondern als ehemals fürs US-Militär arbeitender Virologe seit dem Ausbruch der Seuche im entvölkerten Manhattan nach einem Gegenmittel forscht.

Tagsüber versucht er dabei neben seinen Forschungen und Tier- sowie “Human”-Versuchen einen Hauch von Normalität aufrecht zu erhalten, was mehr schlecht als recht gelingt. Als ihm eine infizierte Frau in eine Falle geht, erregt er unwillentlich damit die volle Aufmerksamkeit (und offenbar auch Rachsucht) eines sogenannten “Alphatiers” der Infizierten, und die Lage gerät nach und nach außer Kontrolle.

Mehr vom Plot zu verraten empfände ich als fahrlässig, denn es würde die über nahezu den gesamten Film aufrechterhaltene Suspense zunichte machen.

Zur Kritik: langweilig wird es definitiv nie, und die Bilder vom menschenleeren Manhattan, welches Fauna und Flora sich schrittweise zurückerobern, sind bedrückend und bildgewaltig. In einigen Rückblicken erfährt der Zuschauer nach und nach den Hintergrund der Katastrophe, die zu diesem Szenario geführt hat, und Nevilles Versuch ein normales Leben aufrecht zu erhalten nimmt in manchen Bereichen tragikomische Züge an. Rene kritisiert in seinem Blogbeitrag zum Film etwas den religiösen Touch, der zum Ende hin kurzfristig aufblitzt, doch empfand ich dies auch als Agnostiker nicht als sonderlich aufgesetzt oder gar störend, zumal ich mir gut vorstellen kann, daß so manch religiöser Mensch sich genau so das Jüngste Gericht ausmalt. Auch seine Kritik am mahnend erhobenen Zeigefinger mag ich so nicht nachvollziehen, da sich Dystopien wie diese hier nun einmal per definitionem dadurch auszeichnen, daß die skizzierten Katastrophen zumeist von Menschenhand gemacht sind und in der Regel einen nuklearen oder biologischen Holocaust zur Grundlage haben - wenn man sich auf einen Film wie diesen einläßt, sollte man wissen, daß dies stets ein wesentliches Element des Plots ist. Realistisch betrachtet erscheint es sowieso wesentlich realistischer, daß sich der Mensch selbst über kurz oder lang vom Angesicht unseres Erdballs tilgt als daß dies die Natur durch einen Kometeneinschlag oder dergleichen selbst veranlaßt.

Der in den gängigen Filmkritiken angesprochene Horrorfilm-Aspekt wiegt meiner Auffassung nach nicht wirklich schwer, zumal es die ganze Zeit über unblutig bleibt. Lediglich an Teilen der Kameraführung muss ich mäkeln, denn es mag zwar die Intention der Regie gewesen sein, durch das mit Nevilles Schritten mitwackelnde Bild den Eindruck zu erwecken, man wäre als Zuschauer quasi mitten drin im Geschehen, doch die damit verbundene Hektik stört schon an so mancher Stelle. Glücklicherweise verschleift sich das nach und nach, so daß die Bildführung etwas ruhiger wird. Den Soundtrack empfand ich als unspektakulär, anders als bei 28 Weeks Later ist bei mir nichts Eingängiges hängen geblieben. Dafür dürfte der beiden Filmen gemeinsame Virenaspekt in “I am Legend” doch ein reichliches Stückchen näher an der Realität liegen als das fiktive RAGE-Virus der 28-xxxx-later-Trilogie (Teil 3 ist ja schon angekündigt).

Alles in allem war es also wieder einmal ein gut investierter Abend, ein angenehmes Erlebnis, mal wieder in einem kleineren Kino zu Gast zu sein, und insbesondere endlich mal wieder ein Film mit einem gewissen Anspruch, den erfreulicherweise auch das sonstige Publikum im ausverkauften Saal wohl genauso empfand und respektierte. Ich muss den Besuch des Streifens insofern auf jeden Fall empfehlen ;)

Bevor sich irgendwer wegen meiner Klassifizierung der Großkinos angefressen fühlt: ich habe schlechte Kinoerfahrungen, die zumeist auf den teils widerwärtigen und rüden Umgangsformen anderer Kinobesucher basieren, überwiegend in Duisburg und Mülheim gemacht. Das Cinemaxx Essen ist siffig und seit Jahren nicht ansatzweise in Schuss gehalten worden, der Sitzplatzmodus für’n A****, da es keine Platzkarten gibt und Vorreservierungen damit vollkommen nutzlos sind (dafür ist da das Publikum wiederum meistens angenehmer), und die Gestalten, die teilweise in Krefeld rumlaufen und deren Gesprächsfetzen man zwangsweise um die Ohren gehauen bekommt, können einem manchmal Angst machen. Auch empfinde ich es im Hinblick aufs Publikum als ein schlechtes Zeichen, wenn auf der Leinwand noch explizit auf das Abschalten von Mobiltelefonen während der Vorstellungen hingewiesen werden muss. Daß es trotz direkter Nähe zum Hauptbahnhof auch durchaus angenehm sein kann, zeigt umgekehrt das Kino am Düsseldorfer Hbf - da komm ich jedoch nur sehr selten mal hin.

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