Eine Sau, die mit vielen anderen derzeit mal wieder durchs bloggende Dorf getrieben wird, ist ein “neuer” Dienst namens BLOGFEVER, und es erweckt den Anschein, daß die halbe bloggende Welt sich vollkommen kritiklos dazu einspannen läßt, den Betreibern dieser Seite kostenlose Deeplinks zu spendieren. Ich habe aber bisher noch nicht einen einzigen objektiven und kritischen Artikel zu Blogfever finden können.
Und das verwundert mich doch sehr, denn die “Idee” ist ebenso altbacken wie fehlgeleitet. Denn hinter Blogfever steckt eigentlich nichts anderes als eine auf “Web 2.0″ und “Blogger-Community” getrimmte Form des uralten Konzeptes des “Bannertausches” bzw. “Homepagetausches”:
- Eine Plattform stellt einen Codehappen zum Einbau in die eigene Homepage bereit
- Man muss sich auf dieser Plattform registrieren und seine eigene Seite (Homepage damals, Blog heute) in einer Kategorie eintragen
- Für eine gewisse Anzahl Einblendungen anderer Homepages / Blogs bekommt man eine gewisse Anzahl Einblendungen der eigenen Homepage / Blog gutgeschrieben
- Die Quote dieser beiden Zahlen ist fast immer < 1, was in der Konsequenz bedeutet, der Betreiber verdient meistens durch die Einblendung von Werbung seine Marge
- Mehr oder weniger sinnvolle und ergiebige Statistiken sollen für die teilnehmenden User einen Mehrwert suggerieren
Hergotthimmelsackzement, was bitte ist daran neu oder modern oder gar Web 2.0? Diese ganzen elenden Bannertausch-Plattformen der späten Neunziger haben schon damals letztendlich nur für einen funktioniert (nämlich den Betreiber), und daran ändert sich auch nichts, wenn man dem Schwachsinn ein stylisches Layout verpasst, ein WordPress Widget dafür strickt und das Ganze vielen geistig unterbelichteten Bloggern unterjubelt!
Auch wenn es dieses Mal nicht das neueste Sexvideo von Britney Spears ist, muss man denn wirklich jeden schwachsinnigen Hype in Blogistan mitmachen? Ich denke nicht…
Sieht das jemand meiner werten Leser eventuell anders? Ich bin auf eure Pro-Argumente gespannt.
3 Kommentare
Juergen sagt:
07.10.2007 von 19:40 (UTC 0 )
Der große Unterschied zu damals ist, dass themenrelevante Schlagzeilen angezeigt werden. Jemand, der in einem Blog über Handy-Klingeltöne liest, sieht in dem Widget 5 Schlagzeilen von anderen Blogs, die ebenfalls über Handy-Klingeltöne berichten.
Durch diese Themenrelevanz erhalten die Blogs neue, thematisch passend interessierte User, die ggfs. als treue Leser erhalten bleiben.
Das ist der Charme dabei.
Zur Zeit gibt es bei Blogfever.de pro View des Widgets auf der eigenen Homepage 3 Views in einem Widget auf einer anderen Homepage. Zusätzlich gibt es Punkte für Klicks.
Es hat sich also seit den damaligen Bannertauschsystemen eine Menge getan.
Carsten Albrecht sagt:
08.10.2007 von 18:48 (UTC 0 )
Granted, die Einblendung themenrelevanter Links gegenüber den alten Bannertausch-Geschichten ist schon ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Es ändert jedoch nichts daran, daß die Systematik der Punktegutschrift und deren Einlösung identisch mit der Funktionsweise der alten Bannertausch/Linktausch-Geschichten ist (und obendrein bei Blogfever bis dato auch nicht richtig funktioniert, da praktisch alle bisherigen Mitglieds-Blogs tiiiief in der Kreide stehen, was die Punkte angeht) und die Sache auf Dauer nur dann (finanziell) tragbar wird, wenn sich zwischen die verlinkten Blogs auch gekaufte Links und Werbung mischen.
Obendrein hat die ganze Chose derzeit noch zwei weitere riesige Nachteile – denn das Ding funktioniert nur mit Javascript, insofern liegt hier schon eine gewaltige Barriere vor (selbst ohne meine prinzipielle Abneigung gegen diese Art Plattformen wäre das für mein gezielt barrierearm gestaltetes Blog hier schon das technische K.O. in der ersten Runde), und obendrein hat man als Blogger auf die Gestaltung bis dato damit so gut wie keinen Einfluss.
Ich bezweifle daher stark, daß sich das Ding auf Dauer durchsetzt.
anonym sagt:
13.10.2007 von 02:06 (UTC 0 )
Bannertauschsysteme bzw. “Popups” waren in den späten 90er schon unbeliebt bei den Besuchern.