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Sep
01
2007

Mal wieder Kino – 28 Weeks Later

Es ist mal wieder Freitag, der meteorologisch heute zu Ende gehende Sommer zeichnet sich nach wie vor durch seine Unbeständigkeit und viel zu viel Regen aus, also was tut man? Rrrrichtig – es geht mal wieder ins Kino. Und weil heute mal etwas anderes als Düsseldorf dran war, sind wir letztlich im Cinemaxx in Krefeld gelandet.

Für diejenigen, die mich kennen, ist der Titel dieses Posts sehr irritierend, denn genau diesen Streifen haben wir uns heute zu fünft reingepfiffen – 28 Weeks Later. Ein reinrassiger Horrorstreifen und damit eigentlich so gar nicht mein Genre. Jedoch mußte ich bei diesem Film einfach eine Ausnahme machen, hat mich doch der vor ebenfalls etwa einem halben Jahr zufällig konsumierte Trailer für den Streifen angefixt. Horror ist eigentlich so gar nicht meine Baustelle, aber Endzeit-Plots wie dieser sind andererseits genau mein Ding. Obendrein war die akustische Untermalung des Trailers ein Genuss, der tief unter die Haut ging, und daher habe ich dem Endzeitdrama um ein nahezu entvölkertes Großbritannien eine Chance gegeben.

Meine Erwartungshaltung wurde auch nicht enttäuscht, dazu später mehr. Ebenfalls genau in den Parametern meiner Erwartungshaltung blieb aber auch die Gegend um Cinemaxx und Krefelder Hauptbahnhof. Jesus Maria und Josef, Herrgottszeiten, rennt in der Ecke ein Pack und Gesindel herum. Man kriegt schon vom Ansehen und Gesprächsfetzen-aufschnappen einen juckenden Ausschlag. Auf die Spitze getrieben wurde der Ekel allerdings noch, als wir uns nach dem Einsammeln der reservierten Kinokarten noch eine kleine Stärkung in der hiesigen Niederlassung der zwei goldenen Bögen besorgten. Soviel Asoziale und zum gesellschaftlichen Scheitern verurteilte Jugendliche auf einem Haufen trifft man selten an – und man freut sich, wenn man unbeschadet und ohne daß das Umfeld auf einen abfärbt, diesem Moloch der Verwahrlosung und Verdummung wieder entfliehen kann.
Etwas Gutes hat die Lage vor Ort jedoch gehabt – es war eine perfekte Einstimmung auf den Horror, der mich noch erwarten würde ;)

Kurz nach 20 Uhr saßen wir dann endlich auf unseren Plätzen in Kino 4 – XBEXX-Format, werfe ich da mal für die Wissenden unter meinen Lesern in die Runde. “Subwoofer und Bassrolle in die Sitze eingebaut”, erläutere ich den Begriff mal grob ;) . Obwohl es unten im Kinofoyer so voll war, daß wir uns mit dem Hinweis auf “Wir haben schon Karten” durch die Meute drängeln mussten (nach dem Genuss des Kommenden hätte ich das in der Gegend aber nimmer gemacht :D ), war unser Kinosaal erstaunlich leer; ich hätte deutlich mehr Publikum erwartet.

Ab hier gilt Achtung, dringende Spoilergefahr
Nach der obligatorisch unvermeidlichen halben Stunde Zeitvergeudung durch Werbung der Kategorie “unterste Schublade” (die erste Kippenwerbung seit Jahresbeginn, die ich im Kino zu Gesicht bekommen habe, dazu noch jede Menge Lokalwerbung und einige wenige Trailer für keine besonderen Filme) startete “28 Weeks Later” dann furios in die Handlung. Für so Leute wie mich, die den ersten Teil namens “28 Days Later” nicht gesehen haben, wird das bisherige Geschehen durch eine Schlüsselszene kurz umrissen. Offenbar ist irgendwie ein extrem pathogenes Virus namens RAGE freigesetzt worden, welches durch Biss oder Blut von Mensch zu Mensch übertragen wird und die Infizierten binnen weniger Sekunden in extrem schnelle, mordlüsterne und blutrünstige Zombies verwandelt, die nur noch einen einzigen Trieb zu kennen scheinen: FRESSEN. In der Eröffnungssequenz, die – meine Erwartung in den Soundtrack wurde voll erfüllt – mit grandioser akustischer Untermalung unterlegt ist, verkörpert Robert Carlyle einen Familienvater, der sich zu Beginn des Ausbruchs von RAGE mit seiner Frau in einem Cottage eines alten Ehepaares verschanzt hat. Unglücklicherweise schaffen es die Zombies, die Hütte zu überrennen und die Hausbewohner nach und nach förmlich abzuschlachten, und vor lauter Panik läßt Carlyle seine Frau auf der Flucht zurück und schafft es nur um Haaresbreite, der Zombiemeute zu entfliehen. Einige schnelle Schnitte mit kurzen Textsequenzen machen dem Zuschauer nach dieser Sequenz deutlich, daß ganz England nach 28 Tagen quasi entvölkert ist, und ganze 28 Wochen nach dem Ausbruch beginnt die US-Armee die Wiederbevölkerung der Insel, indem die ersten überlebenden Flüchtlinge im alten Bankenviertel Londons wieder angesiedelt werden.

Man möge mir bitte verzeihen, daß ich mir die Mühe geschenkt habe, die Namen der weiteren Protagonisten zu speichern, denn deren durchschnittliche Lebenserwartung auf der Leinwand entwickelt sich im Verlauf der sich entspinnenden Handlung extrem gegenläufig zur Zeitachse ;) Die eigentliche Handlung setzt also mitten während dieser Flüchtlingsrückführung ein, und wie es der Zufall so will, sind natürlich die beiden Kids von Carlyle unter den Überlebenden.

Die beiden sind selbstredend schlecht erzogene Arschlochkinder, die prompt aus der gesicherten Enklave ausbüchsen müssen, um in ihrem alten Haus noch einiges Hab und Gut zusammenzuklauben, und dabei rennt der Junge von den beiden prompt der Mutter in die Arme, die irgendwie das Desaster am Cottage wohl doch überlebt hat. Fast gleichzeitig treffen die Militärs am Haus ein, um die Kids wieder einzusammeln, und wo se schonmal da is, wird die Mutter direkt ebenfalls mit eingesackt. In der Quarantäne-Station erfahren wir Zuschauer dann, was wir eh schon ahnten oder wußten – die Mutter trägt das RAGE-Virus in sich, aber ihr Körper schafft es irgendwie, den Ausbruch der Seuche zu verhindern. Dennoch ist die Dame natürlich ein Wirt, und prompt führen die weiteren Umstände dazu, daß RAGE von Neuem ausbricht, und damit kulminiert das Chaos erneut in London.

Den Militärs entgleitet die Kontrolle über die Lage, und infolgedessen starten sie eine Aufräumaktion mit dem netten Codenamen “Code Red”, der nichts anderes bedeutet als die vollkommene Auslöschung jeglichen Lebens in der Quarantänezone, um die Seuche einzudämmen. Damit sind wir nun auch an dem Punkt angekommen, der mich im Trailer so angezogen hatte, nämlich der hemmungslosen Vernichtung mittels Brandbomben, Giftgas und Flammenwerfern, untermalt mit diesem unter die Haut gehenden, dystopischen Soundtrack von John Murphy. Die zwei Kids, die Ärztin, die ihre Mutter untersucht hatte, sowie ein Scharfschütze, dem das Massaker an Zivilisten gegen den Strich ging, schaffen es zu fliehen, und die restliche Handlung befasst sich in erster Linie mit der weiteren Flucht zu einem Treffpunkt mit einem Hubschrauber, der die Gruppe über den Kanal nach Frankreich bringen soll.

Wie es beim Horrorgenre natürlich unvermeidlich ist, dezimiert sich die Gruppe der Flüchtenden nach und nach immer weiter, bis zuletzt nur noch das Mädel und der Junge am Hubschrauber im Wembley-Stadion ankommen. Allerdings wurde der Junge offensichtlich auf der Flucht ebenfalls infiziert, nur daß RAGE auch bei ihm nicht ausbricht, weil er natürlich die gleiche genetische Disposition wie seine Mutter mitbringt (für den medizinisch weniger bewanderten Kinobesucher anschaulich durch die zweifarbigen Augen erläutert – sowohl der Junge als auch die Mutter haben je ein grünes und ein braunes Auge). Eine kurze Texteinblendung weist uns zuletzt darauf hin, daß seit der Flucht nach Frankreich 28 Tage vergangen sind, und die allerletzte Filmszene zeigt Heerscharen von Zombies, die durch den Arc de Triomphe in Richtung Eiffelturm hetzen (ich behaupte mal keck, der Hattrick wird dann bald durch “28 Months Later” vollgemacht werden).

Zu meinem Wohlwollen muss ich festhalten, daß der Film unterm Strich zwar sehr splatterig ist, im Gegensatz zu den meisten anderen Streifen des Genres wird hier aber nicht dauernd mit der Kamera voll draufgehalten, wie sich Gliedmaßen vom rest des Körpers verabschieden, sondern durch extrem schnelle Schnitte und das umherspritzende Blut wird das Grauen nur angedeutet und die Ausschmückung der Szenen überwiegend der Phantasie des Zuschauers überlassen. Lediglich die präzise gesetzten Headshots der Sniper, die die in Panik vor den Infizierten fliehenden Zivilisten abmetzeln, gehen etwas weiter ins Detail. Und ich muss auch gestehen, selbst für mich ist die Szene, in der der Hubschrauberpilot seine Rotorblätter quasi als Zombie-Erntemaschine verwendet, ein “nettes” Schlachtfest, das ich nicht sarkastisch unkommentiert lassen konnte ;)

Die Aufnahmen vom quasi menschenleeren London, die nächtlichen in den Straßenzügen explodierenden Napalm-Bomben und die Giftgaswolken am Picadilly Circus gehen echt unter die Haut, und die Reaktionen der Militärs, Code Red als Ganzes und die gesamte Vorgehensweise sind mehr als nur dicht an der Realität, denkt man an die immer wieder marodierenden US-Soldaten im Irak, die schon ganze Stadtteile ausgeräuchert haben. Man muß lediglich den Plotaspekt des RAGE-Virus kurz ausblenden bzw. mit einer realistischeren Seuche ersetzen, und dann ist das Ganze gar nicht mehr so abwegig, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Bleibt unterm Strich zu sagen, daß “28 Weeks Later” seit langer Zeit mal wieder ein Film war, dem ich mehr als ein kurzes Popcornkino-Vergnügen abgewinnen kann. Und es ist sogar denkbar, daß ich mir den Soundtrack besorgen und damit meine nunmehr sechs Jahre anhaltende absolute Konsumverweigerung gegenüber der Musikbranche unterbrechen könnte ;)

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1 Kommentar

  1. Lazy sagt:

    Stimmt, kann ich nur zustimmen, netter Film :)

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