26.11.2006

Da derzeit ja die “die Garantieverzinsung für Riesterrenten wird ab 2007 auf 2,25 % gesenkt”-Sau durchs Dorf der Finanzwelt getrieben wird und die Förderungen auf den ersten Blick gar nicht so uninteressant erscheinen, habe ich mich in den letzten Wochen etwas intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt und die verschiedenen Riester-fähigen Produkte miteinander verglichen. Für mich, Single, kinderlos, mittleres Einkommen und Alter, kam dabei ohne große Verwunderung meinerseits heraus, daß ich wohl mit einem geriesterten Fondssparplan am besten fahren würde.

Da ich nun aber sowieso schon Fondssparen betreibe, lag es nun nahe, sich die Rendite des Riestersparens doch einmal genauer zu betrachten, und so habe ich mir mein Excel gegriffen und mal etwas gerechnet. Ich ging dabei von verschiedenen durchschnittlichen Jahresrenditen von bis zu 8 Prozent aus, um die einzelnen Zinseszinsfaktoren sauber berücksichtigen zu können, und außerdem habe ich die Verwaltungskosten der Einfachheit halber komplett unterschlagen. Ausgabeaufschläge, die bei geRiesterten Fonds natürlich ebenfalls anfallen, sind ebenso unter den Tisch gefallen, machen in der Praxis aber durchaus einen wichtigen Einflussfaktor auf die tatsächliche Rentenhöhe bei Erreichen des Rentenalters aus. Selbstverständlich habe ich die Maximalbeträge für die maximal erzielbare steuerliche Förderung berücksichtigt.

Und was mußte ich herausfinden? Vater Staat verarscht das Volk natürlich wieder einmal nach Strich und Faden und arbeitet der Versicherungsbranche und den Banken brutal in die Tasche!

Wie sollte es auch anders sein, kommt einem da der Gedanke hoch, und auch eine mehrfache Kontrolle und Gegenrechnung über die verschiedenen Kalkulatoren im Web änderte am Resultat nichts. Denn egal mit welchem Zinssatz man rechnet, stets ist das verzinste Kapital nach 35 Jahren Einzahlung exakt 40,25 % größer als wenn man ausschließlich die effektive Eigenquote ohne jedwede Förderung angelegt hätte! Das wiederum bedeutet, die Förderung einschließlich der Steuerersparnis erwirtschaftet in 35 Jahren nur eben jene 40,25 % Mehrwert! Rechnet man dies aufs Jahr runter (35te Wurzel aus 1,4025), so muß man feststellen, daß der durch Riester erzielte Mehrwert nicht einmal 1,0 % ergibt.

Nun steigt mit dem Einkommen zwar auch die Steuerersparnis, was den effektiven jährlich zu zahlenden Eigenanteil schrittweise etwas senkt, allerdings bewegt sich dieses jährliche Renditeplus bei hohen Einkommen (> 3500 EUR / Monat brutto) gerade einmal Richtung 1,2 Prozent. Toll!!
Das heißt also, für eine gesamte Förderung über 35 Jahre in Höhe von 5.464,00 €, mit Zinseszins (angenommen, wir erzielen - hohe - 8 % p.A.) 27.674,71 € und eine Steuerersparnis zwischen 300 und 600 € pro Jahr (Summe 15.000 bis 21.000 EUR bei jeweils 35 Jahren Laufzeit) kommen magere 1,0 bis 1,2 % Mehrrendite gegenüber einer vollkommen ungeförderten Anlage heraus!

Sahne!! Na da frage ich mich doch, warum ich mir diesen Klotz überhaupt ans Bein binden soll, 35 Jahre brav mein Geld einzahle, mir dann dank der harten Schufterei mit 70 einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag hole und mein Geld dann weg ist. Von all den förderungsschädigenden Einschränkungen ganz abgesehen, die ich damit in Kauf nehmen müßte, denn

  • ich dürfte meinen Lebensabend nicht im Ausland verbringen (dies würde eine sofortige Rückzahlungsverpflichtung der Förderung und der Steuervorteile mit sich bringen!)
  • das angesammelte Kapital darf nicht auf einen Schlag ausbezahlt werden; es ist bestenfalls eine einmalige Auszahlung von maximal 30 % der angesparten Summe bei Erreichen des Renteneintrittsalters erlaubt
  • mein vorzeitiges Ableben noch während der Ansparphase würde die schon angesparte Summe ausschließlich einer bis dahin hoffentlich mal vorhandenen Ehegattin (unter großen Einschränkungen!) zur Verfügung stehen, könnte aber keinesfalls an Kinder oder andere Verwandte vererbt werden
  • eine vorzeitige Kündigung wäre ebenfalls mit sofortiger Rückzahlung von Förderung und Steuerersparnis verbunden

Auch mit Frau und Kindern im Boot sieht die Lage nicht rosiger aus, denn zwar steigt damit zwar der Anteil der direkten Förderung, in gleichem Maß sinkt aber dank der Günstigerprüfung auch die Steuerrückzahlung, und die effektive Eigenquote steigt sogar eher noch als daß sie sinkt, wenn wir weiterhin die vollen 2.100 € pro Jahr zurücklegen wollen, da Frau und Kinder idealerweise in einen zweiten Vertrag ohne Eigenbeteiligung einzahlen sollten.

Da erscheint es nun wahrlich erstrebenswerter, auf die Verarsche durch Riester und die Banken- und Versicherungsbranche komplett zu verzichten und stattdessen selbst durch langfristige Fondssparpläne in teilweise deutlich lukrativere Fonds (und idealerweise komplett ohne teure Ausgabeaufschläge) zu investieren, damit gleiche oder sogar wesentlich bessere Performance zu erwirtschaften und auf all die Nachteile der Riesterlösung verzichten zu können. Denn 5 % Ausgabeaufschlag (AA) machen bei rund 1.500 € schon 75 € aus, also rund die Hälfte der Single-Förderung, und die theoretische Mehrrendite der Riesterlösung verpufft in nahezu allen Fällen der am Markt befindlichen Produkte locker in den Vertriebs- und Verwaltungskosten.

So wie ich das sehe, muß ich also wohl entweder einen Denkfehler in meinen Berechnungen begehen, oder das ganze Riesterzeug ist letztendlich Dummenfang und aus Sicht eines jeden, der rechnen und Excel bedienen kann, einfach überflüssig und eine riesige Volksverarsche.

Um eine Nachvollziehbarkeit meiner Berechnung zu ermöglichen, füge ich hier selbstverständlich einen vergrößerbaren Screenshot meines Excelblatts bei:

Berechnungen zur Belegung der Ineffizienz aller Riesterprodukte

Update 13.12.2006:
Was für ein Riesenmarkt die Riesterabzocke ist, und daß selbst meine Exceltabelle noch extrem für Riester schöngerechnet ist, zeigt ein Artikel auf www.faz.net auf. Das muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, daß alleine rund 4.000 Euro der insgesamt knapp 75.000 Euro Einzahlungssumme an “Abschlusskosten” in Logikwölkchen aufgehen. Wenn die Riestermaschinerie nun auch noch in großem Stil mit dem Zillmern selbst der Fondssparpläne beginnt, bringen ausgerechnet die normalerweise lukrativsten Jahre prozentual extrem wenig Rendite.
Ganz zu schweigen von dem Problem, daß bisher kaum ein Anbieter von Riester-Fondssparplänen damit herausrückt, wieviel des angesammelten Vermögens zum Ende der Einzahlungsphase für die klassische Rentenversicherung für die Auszahlungsphase größer 85 Jahre eingesackt wird (die mir vorliegenden Zahlen sprechen von bis zu 30 Prozent!)

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Bisher 17 Kommentare zum Artikel

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  1. Basti meint

    short nö. ich bin seit ca. 1,5 wochen total rausgegangen und hab meine paar kröten vorerst geparkt. könnte etwas rau werden in den nöchsten wochen. (achtung: mein bauch…flüstert wieder ) :o)

  2. Viktor meint

    Danke für den Beitrag. Jetzt weiß ich wieder, wieso ich das nciht gemacht habe!

  3. CountZero meint

    naja, rechenaufwand ist stark übertrieben, das zusammenzuklicken hat keine zehn minuten inkl. nachschlagen der förderungen und berechnen der steuerersparnis gedauert. das aufwendigste war wohl noch das aufpimpen der tabelle ;)
    was die tabelle angeht: spread the word, natürlich am besten mit link ;)
    übrigens gehe ich schon davon aus, daß ähnliche berechnungen für rürup ähnliches ergeben.

    bist du beim heutigen kursrutsch eigentlich short gegangen? ging ja gut nach unten heute. die techniker im wertpapier-forum sind schon am rechnen, wie tief der dax denn nun weiter konsolidiert ;)

  4. Basti meint

    Ein wenig lachen musste ich schon, als ich deinen Rechenaufwand da betrachtet habe. Kannsu dich noch dran erinnern, dass ich schon vor Jahren gesacht hatte: Wo Vaddastaat seine Finger mit im Spiel hat…lass die Finger wech. Und oh wunder…auch ohne BWL -Hintergund hatte ich auch diesmal wieder recht. lol. Du hast hoffentlich nichts dagegen wenn ich deine Tabelle weitereiche ;)

  5. CountZero meint

    kommt auf die vertragsausgestaltung an. im normalfall einer riesterversicherung bekommt die hinterbliebene göttergattin die rente noch für weitere fünf jahre weiter ausbezahlt, dann ist aber in der tat schluss und somit ein großteil des angesammelten kapitals in fremden taschen.
    ist die frau vorher abgenippelt und man hinterläßt “nur noch” kinder, so gehen diese jedoch in der tat komplett leer aus.

    etwas anders solls wohl mit fonds-riester aussehen, kann ich jedoch nicht so ganz glauben, da das nicht vorhandene kapitalwahlrecht und somit die gegebene nichtauszahlbarkeit des angesammelten guthabens zertifizierungsvoraussetzung als riesterprodukt ist.

    einen einzigen echten vorteil von riester möchte ich jedoch auch nicht verschweigen - noch sind die beiträge hartz-IV-sicher (wenn unsere lieben politiker das nicht auch irgendwann abschaffen) - wer sich also seines jobs nicht sicher ist, für den kann das ein wesentlicher faktor sein, der für riester und gegen die volle eigenverantwortung spricht.

  6. superman meint

    Ist das euer Ernst? Wenn man vorher stirbt bleiben die ganzen zigtausend €, die man angespart hat und für die man gearbeitet hat beim staat oder der bank? Keinerlei ansprüche der erben?? und wissen das auch die ganzen leute, die unterschreiben?

  7. nicht wichtig meint

    ebenfalls wichtiger punkt: beisst du vor inanspruchnahme der rente oder während der auszahlungsphase ins gras, ist die gesamt kohle futsch, nichts was man z.b. an lebenspartner oder enkel vererben kann.

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