Dieser Spruch, mit dem ich diesen Post betitel, war die Aussage eines auch ansonsten wenig freundlichen Postangestellten (“Postbeamter” trifft ja glücklicherweise nur noch auf relativ wenige Menschen dieser Berufsgruppe zu, wenngleich deren Denkweise offenbar immer noch sehr verbreitet scheint) gegenüber einer Kundin in der Hauptfiliale der Deutschen Post am Willy-Brandt-Platz in Essen, während ich mich gleichzeitig rund zwanzig lange Warteminuten vom nächsten freien Schalter entfernt noch in der Warteschlange befand.
Doch der Reihe nach:
Wie ich in meinem Post zum Gigaset SL550 schon andeutete, musste ich mich heute (vor)mittag leider zur Post begeben, um ein Paket abzuholen, denn bekanntlich lassen meine Arbeitszeiten dies unter der Woche nicht zu.
Als ebenfalls bekannt setze ich voraus, daß jeder meiner werten Leser schon ähnliches erlebt hat und sich ebenfalls schon einmal an einem Samstag in der Warteschlange vor den Schaltern befunden hat. Ihr werdet daher nicht überrascht sein, wenn ich euch nun erzähle, daß diese Warteschlange bis fast zur Tür reichte und man somit durchschnittlich dreißig Minuten mit dem Training der Sportart “sich die Beine in den Bauch stehen” verbringen durfte.
Übrigens machte mir diese Übung heute ganz besonderen Spass, denn direkt hinter mir wartete ein Alkoholiker-Pärchen (die Fahne von den beiden war schon auf mehrere Meter Entfernung zu riechen), und er schob sie (im AOK-Chopper sitzend) freundlicherweise immer wieder in meine Hacken, wenn es mal wieder einen halben Meter vorwärts ging. Das konnte ich aber glücklicherweise abstellen, indem ich mich mit dem Kommentar “Übrigens, es geht auch nicht schneller voran, wenn Sie mir Ihre Freundin dauernd in die Hacken rammen” zu den beiden umwandte.
Als Steigerung dieses Beispiels des sozialen Verfalls unserer Gesellschaft kam dann kurze Zeit später eine Frau samt kläffendem Schäferhund ins Gebäude, ein “Scheiße” auf den Lippen, als sie sah wie lang die Warteschlange war, und fing mit den vordersten Kunden in der Schlange an zu diskutieren, ob man sie nicht vorlassen könne, ihr Taxi würde auf der Straße warten. Glücklicherweise waren die anderen Kunden intelligent genug sich auf solchen Schwachsinn nicht einzulassen, und so zog die Tussi wieder von Dannen.
Getoppt wurde das Ganze dann aber um zehn vor zwölf, als eine junge Dame zu einem gerade frei gewordenen Schalter marschierte und der Postmitarbeiter dieses Schalters ihr entgegenschmetterte “hier nicht mehr, ich hab in zehn Minuten Feierabend”. Ich hab gedacht ich hör nicht richtig. Nicht nur, daß die Post ja sowieso selbst zu solchen Stoßzeiten von zwölf Schaltern gerade mal vier öffnet, obendrein warteten ja immer noch rund 100 Menschen in dieser Warteschlange darauf endlich dranzukommen. Und der Kerl erdreistet sich allen Ernstes die Kundin an einen anderen Schalter zu verweisen, weil er ja schon in zehn Minuten Feierabend habe???
Na herzlichen Glückwunsch, vielleicht sollte man manchen Mitarbeitern der Post mal mitteilen, daß sie schon länger kein Staatsbetrieb mehr sind, sondern als privatisiertes Unternehmen nun Teil der freien Wirtschaft sind und ca. 4,3 Millionen Menschen sich sehr für ihren Arbeitsplatz interessieren – und da sollte sich auch nur ein Kundenberater beispielsweise einer Bank mal erlauben, einen Kunden mit solchen Worten zu brüskieren.
Wenn ich an Stelle der jungen Dame gewesen wäre (was ja leider nicht der Fall war, wie eingangs beschrieben – ich hatte noch weitere zwanzig Minuten Wartezeit vor mir und die Alkoholiker immer noch hinter mir), hätte sich die weitere Karriere dieses Herrn hinter dem Schalter nun sehr übersichtlich gestaltet, denn das wäre für mich Anlass genug gewesen nun auf der Stelle den Geschäftsführer zu sprechen.
Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings an dieser Stelle positiv hervorheben, daß ich in anderen Postfilialen auch schon bessere Erfahrungen gemacht habe. Beispielsweise werde ich von den Angestellten der Hauptfiliale der Post in Dortmund immer ausgesucht höflich und freundlich behandelt. Es scheint also nicht nur Ewiggestrige zu geben, die es für absolut unter ihrer Würde halten ihren Kollegen bei einem Kundenansturm wenigstens noch für zehn Minuten behilflich zu sein. Oder sehe ich da vielleicht etwas vollkommen falsch und es ist tatsächlich so, daß der Weg zur Umkleide und zum Zeiterfassungsautomaten Arbeitszeit ist und mehr Wert hat als die Zufriedenheit der Kunden in der samstäglichen Warteschlange?
5 Kommentare
2 Pings
Peter sagt:
30.09.2006 von 21:13 (UTC 0 )
Also da muss ich doch mal eine Lanze brechen für die Post
In unserer Hauptfiliale wurde schon vor einiger Zeit ein System eingeführt, das ich erstmalig in Amerika gesehen habe: es gibt einen einzigen Wartepunkt und jeder Kunde geht zu dem Schalter, der gerade frei wurde. So dauert es für alle Kunden gleich lang, und das Personal kann seine Pausen einhalten, ohne dass die Kunden renitent werden. Letztlich lliegt es wohl an den Abteilungsleitern, wie es in einer Filiale abgeht. Für dieses System benötigt man nämlich lediglich einige Stoffbänder zur Absperrung und eine geänderte Arbeitsorganisation. Wie sagt man so schön? Wie der Herr so das Gscherr. Möglicherweise hätte dir das Gespräch mit dem Abteiungsleiter also wenig eingebracht
CountZero sagt:
30.09.2006 von 22:58 (UTC 0 )
ähem, genau dieses system mit der gemeinsamen schlange ist in allen filialen üblich, die ich kenne. wenn du meinen post gelesen hast, ist dir sicher auch aufgefallen, daß ich mich nicht über die wartezeit echauffiert habe, sondern darüber, wie postangestellte in dieser filiale mit kunden umgehen, nur weil sie “in zehn minuten” feierabend haben – während gleichzeitig die schlange schon bis zur türe reicht, trotz bändern und so weiter.
Ozeanix sagt:
01.10.2006 von 12:28 (UTC 0 )
Obwohl das Unternehmen Post zwar priviatisiert wurde, arbeiten dort immer noch jede Menge Beamte.
Glaubst du ein Beamter der haette auf seinen Beamtenstatus verzichtet, weil es jetzt ein privates Unternehmen ist ?
CountZero sagt:
01.10.2006 von 18:25 (UTC 0 )
hab ich das an irgendeiner stelle behauptet? rechtfertigt ein beamtenstatus ein solches verhalten gegenüber kunden? fühlen sich neuerdings nur noch dumme klugscheißer dazu berufen bei mir zu kommentieren?
Walle sagt:
01.10.2006 von 22:11 (UTC 0 )
Soso, hier bin ich als gefragt! ^^
Sowas kann Dir aber net nur bei der Post, sondern auch bei der Telekom passieren.
Zusätzlich nervt die Bedienungstante den auch noch, weil sie irgendwas nicht versteht. Nur gut, dass die anderen 2 freundlich lächeln, da geht’s einem doch direkt viel besser!
4 freie Schalter, ein Kunde und genau an dem Schalter soll ich meine Antwort bekommen.
Nu gut, dann muss ich jetzt mal ein paar Leuten sagen, dass man hier kommentieren kann, ohne auch nur etwas von dem Post zu lesen!
4null4.de - Sarcasm's paradise sagt:
01.10.2006 von 22:47 (UTC 0 )
Unerwartetes Schnäppchen…
Ich habe vor kurzem Teil 1 meiner Sparpotenziale-Reihe zu Ende in die Tat umgesetzt und auch für mein Geschäftsgirokonto meines nebenberuflichen Gewerbescheins eine neue, preiswertere Bankverbindung gesucht. Vor rund zwei Wochen bin ich f&uum…
Feierabend? - Ohne mich… | Selbstversuch: Wahnsinn sagt:
06.10.2006 von 13:06 (UTC 0 )
[...] Habe gerade bei Carsten Albrecht seinen Artikel zum Thema Ich hab gleich Feierabend gelesen. Und bei seiner Beschreibung der Situation in der Warteschlange fühlte ich mich irgendwie an meinen Artikel Wie lange darf Fastfood dauern? erinnert: Schlange ewig lang, die Hälfte der verfügbaren Kassen geschlossen, die Mitarbeiter haben gefährliche Verletzungen im Gesicht, weil sie dummerweise mit dem Kopf auf eine harte Oberfläche geprallt sind, nachdem sie im Laufen eingepennt sind. Und gerade in dieser Situation stoße ich auf eine Meldung im SpOn: Eine japanische Firma hat einen neuen Roboter entwickelt, genauer gesagt eine Roboterfrau. Der Hersteller behauptet, das Mienenspiel dieser Version 2 ihres Roboters wäre so täuschend echt, daß man die Robotine mit einer echten Frau verwechseln könnte. Das haben die Japaner aber auch schonmal von Godzilla behauptet… Andererseits ist vielleicht gerade die eingeschränkte Mimik ein Pluspunkt bei der Durchführung der Idee, die mir beim Lesen in den Sinn kam. Diese Idee ist nämlich die folgende: Man substituiere langsames, übellauniges Personal einfach durch diese Roboter. Die Mimik bleibt dieselbe, allerdings wird sich vermutlich das Arbeitstempo nicht weiter (oder es erhöht sich sogar) und die Leute die keinen Bock haben, können direkt Feierabend machen und anschließend grundsätzlich mit dem Arsch zuhause bleiben. Falls es dem Publikum in den Filialen der betroffenen Unternehmen dann doch irgendwie unheimlich werden sollte, weil die Mitarbeiter plötzlich so freundlich sind, dann kann man es ja immernoch mit den Robosauriern desselben Herstellers versuchen. Ich für meinen Teil arbeite jetzt mal weiter. Dann kriege ich meine 18 Stunden tägliche Arbeit wenigstens noch voll… Social Bookmarking:Diese Icons linken zu Social Bookmarking Diensten. Dort koennt Ihr Eure Bookmarks online Verwalten und mit den anderen Nutzern teilen! [...]