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Sep 08 2006

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Sparpotenziale, Teil 3 – Kirchenaustritt

Der heutige Teil meiner kleinen Reihe zum Thema „wie senke ich meine Lebenshaltungskosten?“ schneidet ein durchaus kontroverses Thema an, denn es geht ans Eingemachte.

Heutiger Tipp: Aus der Kirche austreten

Ich höre im Geiste an diesem Punkt zumindest einen Teil meiner Leserschaft aufschreien, was für ein ketzerischer Gedanke das doch ist. Aus der Sicht gläubiger Christen ist das auch sicherlich so, und allein schon für den Tipp werden mich viele Leute ins Fegefeuer schicken wollen.

Doch sollten wir die Kirche nun erstmal im Dorf lassen und das Thema mal ganz nüchtern betrachten. Das fängt damit an, sich mal genau anzuschauen, wieviel die Kirche den Durchschnittsbürger pro Jahr kostet. Wir greifen hierzu wieder auf unseren Normalverdiener mit seinem Monats-Bruttogehalt in Höhe von 2500 EUR zurück.
Gibt man diese 30.000 EUR, die der/die Gute im Jahr brutto verdient, einmal in einen der vielen freien Steuerrechner im Internet ein, so stellt man fest, daß die Kirche bei einem Steuersatz von 9 % pro Jahr schon ca. 434 EUR kassiert. Mit wachsendem Gehalt und damit einhergehend fortschreitender Steuerprogression wächst dieser Betrag dramatisch. Bei einem sogenannten Besserverdiener, der rund 5.000 EUR pro Monat nach Hause bringt, beträgt die Kirchensteuer bei 9 % und Steuerklasse 1 schon ganze 1.409 EUR.

Vergegenwärtigt man sich diese Summen erst einmal, kommt der eine oder andere nun wahrscheinlich doch ins Grübeln und beginnt die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Der Vorteil im Fall des nicht streng gläubigen Christen liegt klar auf der Hand: das Geld kann gut anderweitig verwendet werden, im Fall des Besserverdieners ist damit sogar schon der Jahresurlaub finanziert.

Die Nachteile sind je nach Weltanschauung sehr unterschiedlich gelagert:

  • keine kirchliche Hochzeit mehr (wobei man immer noch wieder eintreten kann)
  • kein kirchliches Begräbnis im Fall des Ablebens
  • sollten Kinder ins Haus stehen, dürfte ein kirchlich finanzierter Kindergarten flachfallen (allerdings kann man auch dann immer noch wieder eintreten, und mit Frau und Kindern sinkt der Kirchensteuerbeitrag fast auf null)
  • ewige Verdammnis im Falle des Ablebens
  • man trägt nicht mehr zur Finanzierung kirchlicher Krankenhäuser bei

Für mich als bekennender Agnostiker fällt das alles nicht ins Gewicht, und vielen Mitmenschen in vergleichbarem Alter und vergleichbarem familiären Hintergrund dürfte es ähnlich gehen. Ich neige dazu, solche Dinge von der pragmatischen Seite anzugehen, so auch die Betrachtung der genannten Nachteile.

Mit meinem (vorzeitigen) Ableben rechne ich derzeit nicht, und selbst wenn dieser Fall doch eintreten sollte, so kann ich mich darauf verlassen, dass unsere Verbindungen zu den Freidenkern für ein ähnlich feierliches Begräbnis genutzt würden.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Heirat. Sofern dieses Thema überhaupt an Relevanz gewinnen sollte, tut es meiner Meinung nach auch die standesamtliche Heirat; nichts spricht dagegen, diesen Anlass ähnlich feierlich zu begehen wie eine kirchliche Hochzeit.

Der ewigen Verdammnis falle ich eh schon anheim. Das hat sich im Verlauf meiner Jugend zwangsläufig ergeben; und wie in Kneipe oder Disco gilt die Regel: auf einen vollen Deckel kann man nichts mehr zusätzlich bestellen 😉

Sofern mir der Sinn nach finanzieller Unterstützung einer für das Gemeinwohl tätigen Einrichtung wie beispielsweise einem Krankenhaus stehen sollte, hindert mich nichts daran, auf dem direkten Weg eine Spende zu veranlassen. Da kommt das Geld dann wenigstens auch auf direktem Weg und in vollem Umfang an; und ganz nebenbei kann man das auch noch von der Steuer absetzen, sofern man eine Quittung für die Spende erhält 😉

Wie funktioniert der Kirchenaustritt?

Das hängt sehr stark von den jeweiligen Gemeinden ab. Ich kenne daher nur die Verfahrensweise in meinem näheren persönlichen Umfeld. Es funktionierte in den mir bekannten Fällen denkbar einfach: mit dem Personalausweis zum zuständigen Amtsgericht gehen, das passende Formular ausfüllen, fertig. In den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein ist laut ibka-Website das Standesamt zuständig. Findet der Kirchenaustritt unterjährig statt, gilt man mit Beginn des nächstfolgenden Monats als ausgetreten, und etwaig zu viel gezahlte Kirchensteuer holt man sich mit der nächsten Lohn- bzw. Einkommensteuererklärung zurück.

Achtung, kleine Falle: in vielen Bundesländern wird beim Austritt eine Gebühr von bis zu 50,00 EUR erhoben, die in keinem sinnvollen Verhältnis zum verursachten Aufwand steht. Daher wird diese „Strafgebühr“ von vielen als nicht mit der Religionsfreiheit vereinbar angesehen, insbesondere da in der Regel nicht einmal soziale Härten als Ausnahmegrund anerkannt werden.

Ersparnis durch Tipp 3: mehrere 100 EUR p.a.

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  1. Endlich gottlos | 4null4.de - Sarcasm's paradise

    […] Habe es heute morgen vor dem Weg zur Arbeit endlich geschafft, meinen eigenen Ratschlägen zu folgen und den Austritt aus der Kirche klarzumachen. […]

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