Da wurde ich gestern doch beinahe von einem Monster von Stock getroffen, das mir der gute killercup an den Kopf werfen wollte
Dieser hier ist, um es rundheraus zu sagen anders als die üblichen Stöckchen, die man sonst gelegentlich aufschnappt. Und um dieses Monster in Form einer fortzusetzenden Endlosgeschichte hätte ich mich nun wirklich nicht gerissen, aber man macht ja gute Miene und ist kein Spielverderber, und daher geht es hier dann nun weiter.
Was bisher geschah:
“Es war die große Liebe eines Sommers, der in Paris mit den ersten warmen Tagen im Juli begann. Während anderswo gegen irgendwas demonstriert wurde, saßen sie, noch nicht einander vorgestellt, in einem kleinen Internetcafe in einer Seitenstraße, weit ab von den üblichen Wegen, auf denen Touristen von einer Sehenswürdigkeit
enzur nächsten gescheucht wurden. Paris in vier Stunden – ein Nepp für Leichtgläubige und übergewichtige Fotografen, die sich für Kunstkenner hielten, aber nicht ohne ihre Mütter in der Lage sein würden, sich ordentlich anzuziehen.In dieser ruhigen Straße mit dem kleinen Internetcafe jedenfalls, schien die Zeit still zu stehen, was sie aber nicht tat. Die Zeiger der Uhr über den Tresen am Eingang drehten unerbittlich ihre Runden und der Münzeinwurf an den Computern schrie ständig nach neuen Opfergaben. Es war dieser Moment, als mitten in einer halb geschriebenen Email der Griff ins Portmonee ins Leere führt und sich ihre Blicke zum ersten Mal trafen.
Er schaute möglichst unauffällig zu ihr, aber sein Blick verharrte. Kein Kleingeld mehr. Die Gelegenheit. Er ging zu ihr herüber und fragte sie in seinem jämmerlichen aber hoffentlich doch höflichen Schul-Französisch, ob sie ihm vielleicht Geld wechseln könnte. “Oui” war ihre Antwort. ‘Schweizer Dialekt?’ Er kramte in seinem Portmonee, doch er fand zu aller Peinlichkeit nur einen 50€ Schein. ‘Tja, kleiner geben die Automaten das in Frankreich aber auch nicht raus.’ Sie lächelte als
sieer ihr den orangen Schein gab, wechselte aber mit ein paar kleineren Scheinen und dem wichtigen Kleingeld. Er bedankte sich und er war nicht wenig erstaunt, als er auf ihrem Bildschirm eine deutsche Webseite sah.“Sie sprechen Deutsch?”, fragte er im Smalltalk-Ton seiner Muttersprache. “Ja, ich bin nur im Urlaub hier.”, meinte sie mit einem leicht rheinischen Dialekt, wie er fand. “Da haben wir ja etwas gemeinsam.” Dann setzte sie sich wieder und ihr Blick wendete sich von ihm ab.
Fortsetzung:
Er fiel auf seinen eigenen Bildschirm, auf dem ja nach wie vor die halb geschriebene Email prangte, und offenbar erhaschte sie bei diesem kurzen Blick einen kleinen Einblick in den Inhalt seines Pamphlets, denn sie fragte mit sichtlicher Enttäuschung “Email an Ihre Freundin?” Es war ihm ein wenig unangenehm, dieses Thema anzuschneiden, doch er erwiderte tapfer “Nein, Ex-Freundin - wir haben uns vor einigen Wochen getrennt.” Er wollte das sich entbindende Gespräch auf keinen Fall im Keim ersticken, jedoch konnte und wollte er ihrer Frage auch nicht vollkommen ausweichen.
“Wie haben Sie gemerkt, daß ich ebenfalls ein Tourist auf Urlaub bin?” versuchte er dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, biß sich innerlich aber sogleich auf die Zunge, weil er sich so ungeschickt dabei vorkam. Sie nahm es gelassen, und lächelnd antwortete sie “Naja, einerseits wegen des recht deutlichen deutschen Akzents Ihres Französisch, und andererseits weil ich Sie hier nun schon fast drei Stunden hier sitzen gesehen habe; es erschien mir daher wenig wahrscheinlich, daß Sie geschäftlich unterwegs sind.”
Und da diese Geschichte ja noch nicht zu Ende sein soll, reiche ich diesen Stock weiter an Sven, Perun und René.

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