Tag 4 begannen wir noch vor dem Frühstück mit einem Strategiewechsel in Sachen Schatten und Liegen. Wir waren es zum einen leid, im Verlauf des Tages hinter der Sonne bzw. vielmehr hinter dem Schatten um einen einzelnen Sonnenschirm herumzuwandern, zum anderen war unser bisheriger Platz wegen der Windverhältnisse sozusagen suboptimal. Andererseits hatten wir durch unsere Beobachtungen an den Vortagen eine Stelle ausfindig gemacht, an der zwei Schirme so dicht und so perfekt nebeneinander standen, dass, wenn man es schaffte, die Liegen genau zwischen den beiden Schirmen zu ergattern, man kaum viel wandern musste, da vormittags der eine und nachmittags der andere Schirm Schatten spenden würde - und zwar ausreichend viel für uns alle drei
Ich gebe zu, Zedel und ich konnten mit dieser auf Effizienz getrimmten Denkweise den Informatiker und den Bankkaufmann in uns nicht verbergen, aber was solls - wir waren immer noch so käsig, dass ein längerer Aufenthalt direkt in der Sonne uns nicht gut bekommen wäre, und so heiligte der Zweck die Mittel. Zudem sollte sich dieser “Stellungswechsel” im Verlauf des Urlaubs noch als hochkommunikativ erweisen und damit für Abwechslung sorgen.
Kurz nach 1000, das Animationsteam hatte für den Vormittag unter anderem das sogenannte “Nilwalking” angekündigt, standen mit einem Mal Thomas und Jessica vor uns. Sie erzählten uns, dass der Seegang im Innenohr zwar mittlerweile vorbei sei, dafür habe aber alle vier am letzten Urlaubstag dann doch noch Montezumas Rache erwischt. Da Zedel und Patrizia diesbezüglich im Vorjahr einige Erfahrungen sammeln konnten, waren wir in der Lage mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Denn bezüglich des Durchfalls, den man sich in Ägypten einfangen kann, gilt es vor allem eines zu berücksichtigen: man kann sich das Gewicht deutscher Medikamente gegen Durchfall getrost sparen und braucht sie erst gar nicht einzupacken, denn die hierzulande gängigen Allheilmittel gegen Flitzkacke und flotten Heinrich wie Immodium Akut und Konsorten sind gegen ihre ägyptischen Antagonisten grad mal vollkommen wirkungslos. Hier hilft nur ein einziges Mittel, dass man sich direkt vor Ort beschafft, und dieses hört auf den ach so passenden und klangvollen Namen ANTINAL. Ein Foto von der Verpackung poste ich am besten direkt zum Ausdrucken dazu, damit ihr als potenzielle Ägytenurlauber direkt beim Anblick der leuchtend gelben Verpackung wisst, dass ihr auch wirklich das richtige Medikament in der Hand habt.
Nette Anekdote am Rande, die wieder einmal das Einkommensniveau zwischen Europa und den sogenannten Schwellenländern vor Augen führt: Zedel hatte mit Antinal wie schon angedeutet bei seinem letzten Trip in 2005 gute Erfahrungen gemacht, war sich aber über die Inhaltsstoffe nicht ganz sicher, ob er da nicht eventuell Antibiotika geschluckt hatte. Vor dem Abflug hatten wir daher noch in D’dorf einen Abstecher in die Flughafenapotheke gemacht, wo er sich sicherheitshalber ein ägyptentaugliches Präparat mitnehmen wollte. Die Apothekerin empfahl ihm eines, mit dem die Piloten wohl gute Erfahrungen hatten. Bei der Gelegenheit, Zedel hatte wohlgemerkt schon rund 15 EUR für das Präparat bezahlt, fragten wir dann nach, was es mit Antinal denn auf sich habe. Dank Internet und internationaler Medikamentenverzeichnisse konnte die Apothekerin schnell nachschlagen, und mit einem Mal lachte sie hell auf und erklärte uns, es handele sich dabei um exakt dasselbe Zeug wie das, was sie Zedel gerade verkauft habe. Der Hammer an dieser Information: in El Ghouna/Ägypten bezahlt man für eine Packung, so wie sie auf dem Foto oben zu sehen ist, glatte 5 ägyptische Pfund! Wir erinnern uns, der Umtauschkurs zum Euro liegt ca. bei 7 - was gleichbedeutend damit ist, dass Antinal ca. 21x preiswerter ist als das in Deutschland gekaufte Präparat vom Flughafen!
Gegen Mittag gesellte sich Pärchen Nummer zwei (Eddie und Ina) zu uns, und gemeinsam wateten wir in brütender Mittagshitze durch das flache Wasser der Ebbe Richtung “Fahrrinne”, wo es schon in sehr flachem Wasser, wenige hundert Meter vom Hotelstrand entfernt, ein recht schönes Korallenriff zum Schnorcheln gibt. Hier hatte ich das erste Mal in meinem Leben die Gelegenheit durch einen Schnorchel zu atmen und erste Eindrücke von der Fauna und Flora im Roten Meer zu gewinnen - und meine Vorfreude auf die “richtigen” Riffe am folgenden Montag steigerte sich ins Extreme.
Am Nachmittag flitzten Thomas und Eddie kurz mit dem Taxi (bei teilweise 130 Sachen durch die Dörfer!) nach El Ghouna, um uns alle mit Antinal einzudecken. Um das Zeug ranken sich offenbar schon regelrechte Mythen, denn just als die beiden zurückkamen und die “Beute” verteilt wurde, kam die Animationscrew aus der Mittagspause, natürlich direkt an unserer Liegenstellung vorbei, und jeder von ihnen, der die leuchtend gelben Packungen erblickte, trug uns schnell im Vorbeigehen seine eigenen hervorragenden Erfahrungen mit dem Zeug vor
Abends verabschiedeten wir uns von den zwei Pärchen, für die ihr letzter Urlaubstag nun vorbei war - montag vormittag ging ihr Flug zurück ins vollkommen verregnete Deutschland - und da mir die zwei Stunden Schnorcheln in der brütenden Mittagssonne trotz aller Flüssigkeitszufuhr doch irgendwie etwas zugesetzt hatten und wir wegen unserer richtigen Schnorcheltour mit dem Boot eh früh aufstehen mussten, war unser Abend vorm Zubettgehen ebenfalls sehr kurz.

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