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Jun
18
2006

Reisebericht Tag 2: Relax – don’t do it

Unser erster voller Tag im Calimera Golden Beach begann für Urlauberverhältnisse sehr früh – wir hatten unsere Wecker bzw. Wecksignale auf kurz nach 0700 gestellt (das ist 0600 nach mitteleuropäischer Zeit). Hierfür ist wieder einmal mehr eine blöde Erfahrung meiner Reisebegleiter aus dem Vorjahr verantwortlich: das typisch deutsche Phänomen des Liegenreservierens per Handtuch. Man hasst es, und man zerreißt sich buchstäblich das Maul über diese Leute – und man tut es dann selbst, weil man durch Gegen-den-Strom-Schwimmen ebenso wenig Schatten bekommen würde. Und das kann ich euch sagen, Schatten braucht ihr spätestens in der Mittagszeit.

Morgenprogramm

Balkonblick Richtung Strand

Daher also unser extrem frühes Aufstehen – nach der Morgentoilette begaben wir uns kurz vor 0800 Richtung sogenanntem Actionpool, wo wir uns drei Liegen unter einem dieser auf den Fotos zu sehenden kecken Cocktailschirmchen reservierten. Dabei bemerkten wir auch schon, dass es ein ziemlich windiger Tag werden würde, was das Sonnenbrandrisiko nochmals deutlich steigert, denn durch die frische Brise bekommt man noch weniger als so schon mit, dass der Sonnenbrand schon weit fortgeschritten ist.
Auf dem Weg zum Speisesaal konnten wir die riesige Hotelanlage erstmals bei Tag und in voller Blüte sehen. Ich hoffe, die Bilder, die ich begleitend für den heutigen Tag ausgesucht habe, geben wenigstens einen Teil dieser Augenweide wieder.

Im großen Speisesaal angekommen erwartete meine Begleiter dann eine große Überraschung: einer der Kellner, die sie im vorigen Jahr hier kennengelernt hatten, ist die Leiter zum Koch hochgefallen und bereitete – übrigens sehr leckere – Omeletts zu. Und als wir drei uns bei ihm anstellten, erkannte er die zwei sofort wieder, und es entspann sich eine interessante Unterhaltung in einem deutsch-englisch-Mischmasch. Zugegeben, der Umstand, dass Zedel und Patricia ihm letztes Jahr auf seine Frage hin ihre Seifen-, Duschgel- und Schampoo-Flaschen dagelassen haben, trug sicherlich zu dieser Gedächtnisleistung bei, aber auffällig und witzig angesichts etlicher Tausend Gäste pro Jahr ist es dennoch sehr erstaunlich. Das mit dem Duschgel lasse ich bewußt nicht unerwähnt: das Einkommensniveau in Ägypten ist extrem niedrig; je nach Quelle vor Ort verdient der durchschnittliche Ägypter gerade einmal zwei Euro pro Woche. Konsequenterweise sind deutsche Pflegeprodukte ein absoluter Luxus. Und seien wir mal ehrlich, viele würden ihre angebrochenen Duschgel- und Schampoo-Flaschen eh lieber da lassen als sie in den Koffer zu packen und das Risiko einzugehen, dass etwas ausläuft, und daher kann es einem passieren, nach diesen Dingen gefragt zu werden.

An dieser Stelle direkt der nächste Tipp, da ich das Einkommensniveau eh schon erwähnt habe: für den Kofferkuli beim Einchecken im Hotel sind 50 Cent pro Person angemessen, sobald er die Koffer aufs Zimmer gebracht hat, und dem Zimmerservice sollte man alle drei bis vier Tage zehn ägyptische Pfund aufs Kopfkissen legen, wenn man mit seiner Arbeit zufrieden ist. Der Wechselkurs pendelt derzeit übrigens immer zwischen 7 und 7,50 Pfund je Euro.

Geschmückter Brottisch

Doch zurück zum Frühstück: Die Omeletts habe ich schon erwähnt; hierbei handelt es sich nicht einfach um Ei, sondern es können Zwiebeln, Paprika und Käse dazugenommen werden, die dann mit dem Ei in der Pfanne brutzeln. Daher sind die Omeletts ein Paradebeispiel für den Leitspruch, den man sich seiner Verdauung zuliebe in Ägypten zur Regel machen sollte: “Peal it, boil it, or leave it” – beherzigt man diesen Rat, ist das Risiko einer Magen-Darm-Erkrankung und Durchfall ziemlich gering, zumal in einer 4,5-Sterne-Hotelanlage; ganz ausschließen kann man dieses Risiko jedoch nie, wie wir noch erfahren sollten.

Das weitere Frühstücksbuffet ist sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Alles hier aufzuzählen wäre zuviel des Guten, man muss es einfach selbst gesehen haben. Ich begann jedenfalls schon an diesem ersten Morgen zu bedauern, dass ich meiner Verdauung so wenig Robustheit zutraute, dass ich auf einen Großteil der Köstlichkeiten aus frischem Obst und Gemüse würde verzichten müssen. Allerdings würde mich dies nicht von meinem morgendlichen Orangensaft abhalten können – und das war gut so ;)

Anstrengender Vormittag

Geschmückter Brottisch 2

Nach dem üppigen Frühstück – ich würde in den folgenden Wochen meinem Bauch zuliebe etwas kürzer treten müssen, aber es war halt sooo lecker – mußten wir zunächst eine Reihe von Formalien erledigen. Auf unserem vormittäglichen Programm standen insbesondere die Beschaffung von Ägyptischen Pfund für Backschisch-Zwecke (dies kann man bequem und zu einem sehr fairen Kurs direkt im Hotel erledigen, es ist also Schwachsinn, schon in Deutschland Pfund zu besorgen), die Miete eines Tresorfachs, um unsere Papiere und Wertsachen sicher zu verwahren und die Besorgung von sogenannten Handtuch-Karten. Diese Karten sind sozusagen einlaminierte Gutscheine, die 5 Eur Pfand “kosten”, und im Eintausch für diese Karten erhält man ein großes Strandbadetuch direkt an den Pools bzw. am Strand. Dass man diesen Tausch beliebig oft vornehmen kann und damit jeden Tag ein frisches sauberes Handtuch erhält, versteht sich eigentlich von selbst.

Ach ja, noch einmal kurz etwas zum Essen: im Grunde genommen kann man fast ununterbrochen essen. Das Frühstücksbuffet gibt es von 0700 bis 0930, ab 1000 bis 1130 gibt es am Strand das sogenannte Langschläfer-Frühstück, von 1200 bis 1330 findet man im Speisesaal sowie in der Poolbar ein Mittagsbuffet (wobei die Poolbar nicht nur wegen der dann schon herrschenden Hitze, sondern auch wegen der täglich wechselnden Aktionen eher zu empfehlen ist), um 1515 bis 1630 gibt es das Kaffee- und Kuchenbuffet am Pool, und ab 1830 ist schon wieder der Speisesaal fürs Dinner geöffnet. Ab 2300 steht einem zuletzt in der großen Hotellobby noch der schon an Tag 1 erwähnte Mitternachtssnack zur Verfügung. Ihr seht, es fällt schwer, hier nicht zuzunehmen.

Zedel hatte außerdem noch ein besonderes Problem zu lösen: erst hier vor Ort, beim Einsortieren unserer Sachen in den Safe, bemerkte er, dass beim Late Checkin in Düsseldorf doch nicht alles glattgegangen war – die Dame am Schalter hatte versehentlich sein Rückflug-Ticket anstelle des Hinflugs aus dem Gutscheinheft gerissen, und damit stand er nun ohne Rückflugticket da. Dank des Umstands, dass unser Reiseveranstalter ITS aber direkt in der Hotelanlage eine praktisch dauernd besetzte Niederlassung hat, konnte aber rechtzeitig ein Ersatzticket beschafft werden, und das kulanterweise für umme. Dieser Sorge endlich ledig, konnten wir uns nun also Richtung Pool begeben.

Am Strand angekommen, hatten wir allerdings nicht lange unsere Ruhe. Jeweils um zehn Uhr morgens beginnt das Aktivprogramm damit, dass die Animateure sich am Actionpool versammeln und das Tagesprogramm verkünden. Sollte einen dies stören, muss man halt entweder direkt an den Strand oder auf den Ruhepool ausweichen (wobei man an letzterem nicht einmal husten darf, ohne böse Blicke von den Nachbarn zu ernten). Das Aktivprogramm bietet immer ein breites Spektrum an freiwilligen Aktivitäten, die sich nicht nur auf Sport beschränken, sondern auch Spiele wie Curling, Bosseln oder auch einfach Backgammon-Turniere etc. beinhalten. Wem es auf Dauer zu langweilig ist, einfach nur “herumzuliegen”, hat also reichhaltig Auswahl an möglichen Alternativen.

Zugegeben, mein Aktivitätsdrang in den ersten Tagen hielt sich sehr in Grenzen, dazu war ich vom Stress der Vorwochen viel zu geschafft – ich wollte wenigstens die ersten Tage wirklich nur noch ausspannen und mich erholen. Jedoch wird einem dies zumindest gerade am ersten Tag durch einen anderen Umstand erschwert – frische Touristen sind aufgrund ihrer Weißbrot-Haut sofort als Frischfleisch zu erkennen, und darauf stürzt sich die “Meute” der Ausflugsveranstalter wie die Hyänen aufs Aas. Im Verlauf des Vormittages machten wir somit die Bekanntschaft mit zwei Tauschschulen (der hoteleigenen und einer unabhängigen) – hier ließen wir uns noch nicht festlegen -, einem geradezu penetrant aufdringlichen Muskelbaby, der uns seine Jeep-Safaris und Quad-Touren andrehen wollte, sowie einem Vertreter des Wellness-Hauses am Platz. Mit letzterem kamen wir in einem interessanten Feilschgespräch sehr schnell zu einer sehr guten Vereinbarung in Bezug auf die Buchung von einigen Massagen. Diese sind nämlich wirklich sehr zu empfehlen und verglichen mit Deutschland sehr preiswert. Eine sogenannte pharaonische Massage zu 55min kostet normalerweise vor Ort 25 EUR, bei gleichzeitiger Buchung von zwei Terminen 45 EUR. Wir haben uns für die Buchung von insgesamt sechs Massagen (zwei je Person) auf 115 EUR heruntergehandelt, was ca. 19 EUR je Massage ist. Hier in Deutschland bekommt man für 19 EUR gerade mal ein Kitzeln am Fuß, wenn überhaupt.

Am Strand

Es empfiehlt sich, einen Massagetermin in die Mitte des Urlaubs zu legen und einen zweiten ans Ende; so nimmt man einen Gutteil der Erholung noch mit nach Hause zurück. Aus diesem Grund buchten wir zunächst Montag und Dienstag.

Abgesehen von diesen zwischenzeitigen “Störungen” verlief der Tag allerdings ziemlich ruhig. Wir machten in erster Linie die Erfahrung mit dem Phänomen, dass man sich zunächst auf nichts konzentrieren kann, weil man sich erst an den Klimawechsel anpassen muss und es einen extrem ablenkt, erst einmal die anderen Gäste zu begutachten und auf etwaige Gesprächskompatibilität abzuklopfen. Bei dieser trägen Umschau in der Mittagshitze blieb ich an einer wirklich süßen jungen Dame in unserer näheren Umgebung hängen, die sich augenscheinlich im Kreis ihrer Begleiter fürchterlich langweilte. Leider stellte es sich ziemlich schnell heraus, daß die junge Dame im Kreis ihrer russischen Großfamilie unterwegs war, womit ich leider a) die Kommunikationschancen und b) ihr Alter extrem nach unten korrigieren musste.

High Noon

Am Stegende

In der Mittagszeit rafften wir uns dann auf, dem Steg einen Besuch abzustatten. Dieser Holzsteg führt mehrere hundert Meter weit ins Rote Meer hinein und ist gerade breit genug für einen Jeep. Er ist wegen des extrem flachen Wassers notwendig, um eine in die Korallen geschlagene Fahrrinne zu erreichen, in der die Boote der Tauchschulen dümpeln, wenn sie nicht draußen auf dem Meer sind. Es ist wahr, der Strand und damit das Wasser sind extrem flach in dieser Anlage. Das führt dazu, dass es regelrechte Gezeiten mit Ebbe und Flut wie an der Nordseeküste gibt. Für Familien mit kleinen Kindern ist das optimal, weil das Risiko für die Kleinen sehr niedrig ist, aber wenn man als Erwachsener “mal eben” im Roten Meer Abkühlung suchen will, ist dies zwangsläufig mit mehreren hundert Metern Marsch durchs seichte Wasser verbunden – oder halt mit einem Ausflug ans Stegende, da das Wasser hier endlich tief genug zum Schwimmen ist.

Vom Steg aus konnte man Schwärme von kleinen Fischen im flachen Wasser sehen, die immer wieder vor einem rund einen Meter großen Exemplar flohen. Zwei Pärchen beobachteten dies schnorchelnderweise, und wir kamen sehr schnell miteinander ins Gespräch. Die beiden Jungs dieses Quartetts hatten schon einen guten Sonnenbrand, und als wir das sahen, wurde Zedel und mir klar, dass wir uns auch schon tüchtig den Nacken verbrannt hatten. Der Wind hatte erfolgreich in der Mittagshitze sein Werk getan und uns nicht merken lassen, wie sehr die Sonne uns erwischte.

Folglich verbrachten wir den überwiegenden Teil des Nachmittags im Schatten, mit dem erneuten Versuch, beim Lesen endlich signifikant weiterzukommen. Mir gelang dies trotz der Ablenkung durch die süße Russin (die junge Dame bemühte sich aufopfernd um meine Aufmerksamkeit, indem sie beim Eincremen eine hinreißende Show abzog ;) ) immerhin insoweit, dass ich rund 40 Seiten meines Romans schaffte; Zedel hingegen war nicht ganz so erfolgreich, denn er versuchte sich seit nunmehr fünf Stunden an einem einzigen Absatz eines Artikels seines aus dem Flugzeug mitgenommenen FOCUS. Obendrein beging er hier sogar eine schändliche Urheberrechtsverletzung, wie wir auf einmal feststellten: Durch Hitze, Sonnenmilch und Schweiß hatte sich die Rückseite des Hefts auf seinen Oberschenkeln quasi abkopiert. “Unfassbar, du Urheberrechtsverletzer”, sagte ich dazu, “den FOCUS einfach so kopieren, und dann auch noch in SPIEGELschrift!” ;) Unser daraufhin ausbrechendes Gelächter sorgte für große Irritation in unserem Umkreis, das mag man sich sicher vorstellen ;)

Tom’s Diner

Abenddämmerung 1

Gegen 1700 hatten wir für den ersten Tag genug von der Sonne und machten uns fürs Abendprogramm fertig. Mein Nacken war inzwischen feuerrot, brannte aber glücklicherweise nicht, und daher reichte es aus ihn gut mit Ladival einzureiben, um die Folgen der Mittagssonne auszumerzen. Da ich wesentlich eher als meine Begleiter mit dem Umziehen fertig war, ging ich noch eine Runde auf der Anlage spazieren, was ich als Vorverdauungsspaziergang auch für den Rest des Urlaubs so beibehalten habe.

Das erste Abendessen fiel ähnlich erstaunlich für mich aus wie das Frühstück, angesichts der Fülle an verschiedenen Gerichten und Kombinationen, und allein der Bereich mit den Nachspeisen ist ein Hammer an sich. Nach dem Essen trafen wir am Ausgang des Speisesaals auf Mido, den Besitzer der hoteleigenen Tauchschule, der uns natürlich sofort für eine Schnorcheltour einnehmen wollte. Zufällig kam in diesem Moment eines der mittags auf dem Steg angetroffenen Pärchen vorbei, und so erfuhren wir, dass diese am nächsten Samstag die Tour machen würden. Wir nahmen den beiden das Versprechen ab, uns abends von der Tour zu erzählen und verblieben mit Mido so, dass wir uns für eine Buchung entscheiden würden, wenn wir die Erzählung gehört hätten.

Abenddämmerung 2

Den Ausklang des Abends bildeten das Abendprogramm der Animation – in Form einer ca. einstündigen Playbackshow wurden die Abendprogramme der folgenden Woche vorgestellt – sowie unsere Absacker an der Strandbar. Ich war zwischenzeitig zu dem Ergebnis gekommen, dass es für meinen Verdauungstrakt und meinen extrem langsamen Stoffwechsel keine Rolle spielen sollte, ob ich morgens beim Aufstehen einen Whiskey kippe oder abends gemütlich zwei nicht weniger starke Cocktails genieße. Und diese Cocktails hatten es echt in sich, mannomann. Ich entschied mich nämlich für einen sogenannten Sunset, der sich als eine ziemlich garstige Mischung aus Wodka, Rum und Limejuice entpuppte und in dieser Mischung zwar stark, aber sehr lecker war. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich an keinem Abend mehr als zwei Stück von diesen Bakterienkillern verkraftet habe ;) Ich bin halt nicht zum Trinker geboren, und ich schätze, das ist auch gut so ;)

Natürlich haben wir uns wie üblich unser Zahnputzwasser in Form von Mineralwasser gezogen, und damit war dieser irgendwie doch recht anstrengende erste volle Urlaubstag am Ende.

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1 Kommentar

  1. killercup sagt:

    Passend dazu ein kleines Stöckchen für dich ;)

Kommentare sind deaktiviert.