Anfang September hatte ich geschrieben mir ernsthafte Gedanken über eine LPG-Umrüstung meines Wagens zu machen. Wie so oft, wenn sich in meinem Privatleben etwas ändert, sind meine Schreibaktivitäten anschließend mal wieder schwer eingeschlafen. Natürlich blieb es aber nicht bei den eingeholten Angeboten, sondern ich habe mich dann auch zügig für einen Umrüster entschieden.
Noch vor Antritt meines Spätsommerurlaubs Mitte September habe ich bei GAg Autogas (Glane/Becker) in Herne Nägel mit Köpfen gemacht und mir einen Umrüsttermin in der zweiten Oktoberhälfte besorgt. Seit dem 23.10.2009 ist mein 307 nun eine französische LPG-Schaukel, und ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem Umbau. In den seither vergangenen 70 Tagen habe ich rund 5.500 km auf LPG-Betrieb zurückgelegt, was schon erste Schlussfolgerungen auf die längerfristigen Betriebskosten zulässt.
Verbaut wurden eine Vialle LPi 7 und ein 72l-Radmuldentank, der Tankstutzen ist als Minianschluss in die normale Tankstutzenabdeckung gewandert, so dass der Umbau von außen nicht zu erkennen ist. Das elektronische Schätzeisen, auch Gastankfüllstandsanzeige genannt, konnte problemlos wunschgemäß an der Mittelkonsole links neben Türschloss- und Warnblinkerschalter integriert werden. Glücklicherweise ist der Schalter optisch nicht ganz so schäbig wie bei vielen anderen Gasumrüstsätzen, und so habe ich zumindest den ungefähren Füllstand des Gastanks stets unaufdringlich im Blick.
Nun zu den gesammelten Erfahrungen:
- Der Verzicht auf das Ersatzrad tut nicht weh - im Fall einer Panne würde ich eh den ADAC rufen, denn auf einen Radwechsel mitten auf der Autobahn wäre ich sowieso nicht scharf;
- Von den 72 Litern des Tanks kann ich je nach Gasgemisch, Witterungsverhältnissen und Druck der Zapfsäule zwischen 57 und 59 Liter effektiv nutzen;
- Die damit bisher von mir erzielte Maximalreichweite vor der automatischen Umschaltung auf Super-Betrieb betrug rund 550 km; dies entspricht einem Verbrauch von ca. 10,7 l LPG je 100km Fahrtweg;
- Der Kaltstart findet prinzipiell immer bei Benzin/Superbetrieb statt; nach Durchspülen des Gaskreislaufs, sobald die Kühlwassertemperatur 25 °C erreicht und die Drehzahl des Motors einmal mindestens 1.500 UPM betragen hat, schaltet der Wagen dann transparent und ohne Geräusch, spürbaren Ruckler oder dergleichen auf LPG-Betrieb um; daß man nun auf Gas fährt, ist ausschließlich an der nun nicht mehr blinkenden Anzeige des Schätzeisens zu erkennen;
- Sollte einem während der Fahrt das Gas ausgehen, findet wiederum volltransparent die Rückschaltung auf Benzinbetrieb statt; selbst bei 150 Sachen merkt man das nur am dreimaligen deutlich vernehmbaren Piepton und der orangeblinkenden Anzeige des Gasumschalters; hat man wieder Gas nachgetankt, wird automatisch wieder in den Gasbetrieb gewechselt wie beim Kaltstart;
- Der Tankvorgang als solcher ist effektiv sehr simpel; statt den Tankdeckel abzuschrauben muss halt der ACME-Adapter auf den Ministutzen aufgeschraubt werden. Das eigentliche Tanken ist dann analog zum Benzintanken; Zapfpistole druff (anschrauben, okay, das ist ein Unterschied), Hebel ziehen und einrasten, Totmannschalter drücken und halten, bis der Tank voll ist). Dauer bei einer ordentlichen Zapfsäule mit mind. 10 bar Druck nicht länger als beim “normalen” Tanken, insbesondere wenn ich noch das Warten in der Kassenschlange mit einbeziehe, denn das fällt bei den meisten LPG-Zapfsäulen flach (EC- oder Kundenkarte direkt an der Zapfsäule rein, feddich);
- Motorleistung: in meinem Fall eindeutig keine Minderleistung gegenüber Benzin, fühlt sich eher sogar noch einen Tick spritziger an als zuvor. Die 210 Sachen Maximalgeschwindigkeit erreiche ich sogar gefühlt etwas zügiger als früher. Dabei bleibt die Motortemperatur bei ca. 90 °C, also alles beim alten;
- Einziger echter Wermutstropfen: der Mehrverbrauch gegenüber Benzin fällt in meinem Fall sehr drastisch aus. Sämtliche Verbräuche sind manuell ermittelt durch Division der Tankfüllung (natürlich prinzipiell randvoll!) durch gefahrene Strecke; auf den Bordcomputer kann man sich bei sowas erfahrungsgemäß ja nicht verlassen. Im Sommer hatte ich Phasen, in denen meine Saufkatze statt der winterlich gewohnten 8,5 - 8,7 l / 100km mit sehr erfreulichen 7,1 - 7,3 Litern auskam. Das drückte mein langfristiges Jahresmittel seit ich den Wagen gekauft habe auf 8,2 l / 100km. Auf LPG liege ich nun in den letzten gut zwei Monaten bei 11,09 l / 100km, und das sind dann satte 35,54% Mehrverbrauch. Um innerhalb der berüchtigten und vielfach kolportierten 25% zu landen, müßte mein Mittel auf Benzin hingegen bei knapp 9 l liegen. Ursprünglich hatte ich - eigentlich schon gedacht vorsichtig und konservativ - mit einem LPG-Verbrauch von knapp 10 l gerechnet, was schon nah an den 25% ausgehend von 8 - 8,2 gelegen hat. Das hätte mit dem großen Tank dann gute 600km Reichweite bedeutet, und nun sind es effektiv “nur” 530 - 550 km. Ich weiß, Erdgasfahrzeugbesitzer würde von solchen Reichweiten nur träumen, aber für mich bedeutet das nun doch, daß ich nicht mehr mit einer Tankfüllung pro Woche auskomme, sondern im Schnitt alle fünf Tage an die Zapfsäule muss.
- Apropos Zapfsäule: es macht schon Spass beim Tanken endlich einmal wieder zu sehen, wie sich die Literanzeige nahezu doppelt so schnell vergrößert wir die Betragsanzeige. Im Mittel kostet mich der Liter LPG derzeit etwa 52,2 Eurocent, also knapp 5,80 EUR je 100 km Reichweite. Auf Benzinbetrieb waren es im langfristigen Mittel zuvor 9,97 EUR / 100 km. Trotz des dicken Mehrverbrauchs verbleiben also immer noch rund 42% Ersparnis bei den Verbrauchskosten, was meine Amortisationsrechnung von Anfang September also nicht gefährdet.
- Kaskoversicherung: in meinem Fall war die Anlage vom Tarif her automatisch zu etwa 50% ihrer Anschaffungskosten mitversichert; für den Jahreswechsel habe ich eine minimale Aufstufung aufs nächste Paket gewählt, um die gesamten Vialle-Kosten mitversichert zu haben; Mehrkosten gegenüber vorher: ca. 50 EUR pro Jahr;
Insgesamt betrachtet bin ich also sehr zufrieden mit der Umrüstung und würde die 2.550 EUR, die ich für den Umbau in die Hand nehmen musste, auch beim jetzigen Erkenntniszuwachs jederzeit erneut für einen LPG-Umbau investieren. Eine uneingeschränkte Weiterempfehlung eines solchen Umbaus an andere kann ich aber nicht geben; es kommt immer noch auf das konkrete Fahrzeug und dessen Eignung für den langfristigen Gasbetrieb an, ob man den Umbau wagen sollte, und auch falls diese wesentliche Frage eindeutig geklärt ist, zeigen meine Erfahrungen, dass auch eine vorsichtige Amortisationsrechnung im Vorfeld sich dann im realen Alltag immer noch schnell als zu optimistisch gedacht entpuppen kann. Auch sollte man als Interessent schon einige Zeit investieren, um sich über die verschiedenen Technologien und Umrüstkits zu informieren und vergleichende Angebote von mindestens einem halben Dutzend Umrüstern einzuholen. Selbst dann sollte man nicht reflexartig zum billigsten Angebot greifen, sondern sich für genau den Umbausatz bei genau dem Umrüster entscheiden, mit dem man längerfristig am besten fahren wird. Das heißt nichts anderes als einen Umrüster in der Nähe zu wählen, den man im Falle von Problemen auch schnell erreichen kann, sowie sich bei der Wahl der Anlage nicht nur für die vordergründigen Umrüstkosten zu interessieren, sondern auch die langfristigen Kosten einzubeziehen (die Vialle beispielsweise ist wartungsfrei, eine Prins (sehr gute vollsequenzielle Verdampferanlage) hingegen würde Wartungskosten von ca. 150 EUR / Jahr nach sich ziehen - mit der Vialle LPi im Vergleich ist der Mehrpreis für den Einbau also nach knapp 6 Jahren ebenfalls amortisiert. Folglich ist der Schritt zur Umrüstung also keine Entscheidung zwischen Frühstück und Morgentoilette, sondern sollte wohlbedacht sein.
